April 30 2020

Krise schlägt durch: Mehr Arbeitslose im Norden

Die Corona-Krise hat sich im April massiv auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt, in allen norddeutschen Bundesländern sind deutlich mehr Menschen ohne Job. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland stieg im April im Vergleich zum März um 308.000 auf 2,644 Millionen – im Vergleich zum April 2019 sogar um 415.000.

Die Arbeitslosenquote kletterte saisonuntypisch um 0,7 Punkte auf 5,8 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte – im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,9 Punkte. Deutschlands Unternehmen meldeten den Angaben zufolge bis zum 26. April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit an.

Arbeitslosigkeit in Hamburg auf höchstem Stand seit zehn Jahren

77.518 Arbeitslose waren in Hamburg im April gemeldet – knapp 24 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im Vergleich zum März dieses Jahres steigt die Zahl um rund 17 Prozent oder knapp 11.000 Menschen. „Die Corona-Pandemie hat den Hamburger Markt voll erfasst“, sagte Arbeitsagentur-Chef Sönke Fock. Der jetzt gemessene Wert lag zuletzt vor zehn Jahren, im April 2010, etwa so hoch. Die Hamburger Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 7,3 Prozent, im April 2019 lag sie noch bei 6,3 Prozent. Er könne sich nach Jahrzehnten mit leitenden Aufgaben in der Arbeitsverwaltung nicht erinnern, jemals in einem Monat einen ähnlich starken Anstieg der Arbeitslosigkeit erlebt zu haben, betonte Fock. Die Stellenangebote der Arbeitsagentur liegen um 40 Prozent unter dem Vorjahr.

Die Corona-Krise trifft Schulabgängerinnen und Schulabgänger besonders hart. Zugesagte Ausbildungsplätze fallen weg, die Suche nach Lehrstellen ist schwieriger geworden.

Mecklenburg-Vorpommern: Erstmals seit 30 Jahren Anstieg im April

In Mecklenburg-Vorpommern ist erstmals seit fast 30 Jahren in einem April die Zahl der Arbeitslosen wieder gestiegen. Laut Regionaldirektion Nord der BA sind aktuell 64.950 Menschen ohne Arbeit und damit fast 5.300 mehr als im Vormonat März. Die Quote stieg von 7,3 auf 7,9 Prozent.

Vor allem die Zwangsschließungen von Hotels und Gaststätten haben nach Experteneinschätzung die Beschäftigungsbilanz massiv getrübt. Üblicherweise nimmt in Folge der maßgeblich vom Tourismus getragenen Frühjahrsbelebung die Beschäftigung im April in Mecklenburg-Vorpommern immer spürbar zu. Doch seien in diesem Jahr auslaufende Verträge nicht verlängert und geplante Neueinstellungen meist verschoben worden, erklärte die Chefin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann.

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Niedersachsen: Wirtschaft gedrosselt – keine Frühjahrsbelebung

Die Zahl der Arbeitslosen in Niedersachsen nahm zwischen März und April um rund zwölf Prozent auf fast 247.000 zu. „Statt der sonst üblichen Frühjahrsbelebung mit einem Rückgang um sechs- bis achttausend Personen haben die Corona-Folgen einen Anstieg um mehr als 26.000 ausgelöst“, erklärte BA-Regionalchefin Bärbel Höltzen-Schoh. „Die Wirtschaft ist stark gedrosselt und in einigen Branchen quasi zum Erliegen gekommen.“ Die Arbeitslosenquote stieg um 0,6 Punkte auf 5,7 Prozent.

Schleswig-Holstein: Arbeitslosenquote steigt deutlich auf 5,8 Prozent

Die Corona-Krise hat sich auch massiv auf den Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein ausgewirkt. Laut Agentur für Arbeit stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum März um 12,6 Prozent auf 92.200. Normalerweise gibt es im April auch im Norden einen Frühjahrsaufschwung. Zum gleichen Vorjahresmonat betrug die Zunahme 17,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt nun bei 5,8 Prozent, 5,0 Prozent waren es im April 2019.

Corona-Krise treibt Kurzarbeit auf Rekordstand

Die Corona-Krise treibt auch die Kurzarbeit im Norden in die Höhe. Etwa jedes dritte Unternehmen in Hamburg meldete schon Kurzarbeit an. Davon betroffen sind laut Arbeitsagentur rund 19.200 Firmen mit bis zu 273.000 Beschäftigten. Genaue Zahlen dazu werden aber erst in einigen Monaten vorliegen, weil viele Betriebe zunächst pauschal für alle Mitarbeiter in voller Höhe Kurzarbeit anzeigen. Die Abrechnung über den tatsächlichen Umfang erfolgt aber erst später.

In Niedersachsen meldeten bereits 69.000 Betriebe Kurzarbeit für Teile ihrer Belegschaften an. Den Angaben zufolge für bis zu eine Million Beschäftigte. In Schleswig-Holstein zeigten 25.300 Betriebe für rund 287.000 Beschäftigte Kurzarbeit an. Besonders betroffen sind der Tourismus und die Gastronomie – genau wie in Mecklenburg-Vorpommern. Dort liegen inzwischen Anträge auf Kurzarbeit von 16.900 Unternehmen vor – mehr als ein Drittel der Firmen im Land.

Gemeldete Arbeitslose und Arbeitslosenquote (gerundete Werte)
April 2020 März 2020 April 2019
Niedersachsen 246.800 5,7% 220.500 5,1% 215.000 5,0%
Schleswig-
Holstein
92.200 5,8% 81.100 5,2% 78.700 5,0%
Mecklenburg-
Vorpommern
64.900 7,9% 59.700 7,3% 58.600 7,1%
Hamburg 77.500 7,3% 66.500 6,3% 62.800 6,0%
Bund 2.644.000 5,8% 2.335.400 5,1% 2.228.900 4,9%
Stand: 30.04.2020 12:51 Uhr


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VeröffentlichtApril 30, 2020 von admin in Kategorie "Kultur & Soziales", "Wirtschaft & Handel

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