Dezember 22 2020

Coronavirus: 20.998 Fälle, Spahn gesteht: „Hätten früher Masken besorgen sollen“

Topmeldungen zur Coronavirus-Pandemie am 22. Dezember

  • Bayern führt Corona-Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten ein (15.08 Uhr)
  • Sachsens Ministerpräsident erwartet in drei Wochen dritte Corona-Welle (13.40 Uhr)
  • WHO ruft Krisensitzung für Europa ein – und widerspricht Briten (12.09 Uhr)
  • Spahn bittet um Verzeihung: „Wir hätten früher Masken besorgen sollen“ (11.02 Uhr)
  • Schweiz sucht 10.000 eingereiste Briten (10.22 Uhr)

„Schützt unsere Krankenhäuser“: Seehofer macht Feuerwerksverbot offiziell

18.14 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat den Verkauf von Silvesterfeuerwerk deutschlandweit untersagt. Die entsprechende Verordnung sei am Dienstag in Kraft getreten, teilte das Innenministerium in Berlin mit. Damit werde ein Beschluss von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderregierungschefs und -chefinnen vom 13. Dezember umgesetzt.

„Wegen der Corona-Pandemie ist in diesem Jahr vieles anders. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht Böller anzünden und die Infektionszahlen explodieren. Das Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk schützt unsere Krankenhäuser vor Überlastung“, sagte Seehofer der Mitteilung zufolge.

Ziel der Regelung sei es, Verletzungen beim Abbrennen von Feuerwerk in der Silvesternacht zu verhindern, um die aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin stark beanspruchten Krankenhäuser und Notfallambulanzen zu entlasten.

Betroffen von dem Verbot seien „die typischen, in anderen Jahren vom 29. bis 31. Dezember erhältlichen Gegenstände wie z.B. Silvesterknaller und Raketen“, erläuterte das Innenministerium. „Mit der neuen Verordnung bleibt die Abgabe im Jahr 2020 auch an diesen Tagen verboten.“ Auch bereits zuvor etwa über den Online-Handel getätigte Bestellungen dürften nicht mehr an den Endkunden ausgeliefert werden.

Söder muss nicht mehr in Quarantäne bleiben

16.46 Uhr: Nach einer Prüfung des zuständigen Gesundheitsamts muss Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nicht mehr in Quarantäne bleiben. „Aus Vorsicht bleibe ich aber trotzdem im Homeoffice“, schrieb der CSU-Chef am Dienstag auf Twitter. Zugleich teilte er mit, dass ein am Dienstag durchgeführter Corona-Test bei ihm negativ ausgefallen sei.

Hintergrund für das Ende der Quarantänepflicht nach nur einem Tag sind zwei Faktoren, die das Gesundheitsamt nach Angaben der Staatskanzlei feststellte: Söder habe bei dem Gespräch mit seinem nachweislich mit Corona infizierten Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) die Abstandsregeln eingehalten, und zugleich sei das Büro in der Staatskanzlei mit einem Belüftungssystem ausgestattet gewesen. Deshalb sei Söder keine „Kontaktperson 1“ und müsse auch nicht zwingend in Quarantäne.

Am Montagmittag war Herrmann positiv getestet worden und hatte sich daraufhin auch in Quarantäne begeben.

Corona-Testzentren ausgebucht: München und Augsburg sind bis nach Weihnachten voll

15.31 Uhr:  Wegen großen Andrangs vor den Feiertagen stoßen mehrere Testzentren in Bayern nach Angaben der örtlichen Gesundheitsämter an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Behörden in München und Augsburg verwiesen die Einwohner deshalb für Corona-Tests an private Dienstleister und Hausärzte.

In der Landeshauptstadt waren für das Testzentrum auf der Theresienwiese am Dienstag sämtliche Termine bis einschließlich 27. Dezember ausgebucht – obwohl die Kapazitäten seit Montag auf 2500 Tests pro Tag ausgeweitet wurden. Gleichzeitig wurden nach Angaben des Gesundheitsreferats in der vergangenen Woche rund 2000 reservierte Testtermine nicht genutzt. Die Behörde rief deshalb dazu auf, in diesem Fall die Termine wieder zu stornieren.

Auch im Testzentrum auf der Augsburger Messe waren schon am Montag bis zum 28. Dezember keine Termine mehr reservierbar – obwohl der Betreiber die Kapazitäten von 1200 auf 1500 Tests pro Tag erhöht hatte. Die Wartezeiten bei der Übermittlung der Testergebnisse würden dadurch aber nicht länger, sagte ein Sprecher der Stadt.

Drosten: Virus-Mutation eher kein größeres Problem für Deutschland

15.15 Uhr: Der Berliner Virologe Christian Drosten hält eine rasante Verbreitung der neuen Coronavirus-Variante in Deutschland für wenig wahrscheinlich. „Ich glaube nicht, dass wir da bald ein größeres Problem kriegen“, sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Es sei zwar recht wahrscheinlich, dass die Variante mit der Bezeichnung B.1.1.7., die erstmals in Großbritannien nachgewiesen wurde, mittlerweile auch in Deutschland sei. „Aber bei den aktuellen Beschränkungen dürfte diese Variante hierzulande eher schwer Fuß fassen.“ Darauf deuteten Daten hin, die die britische Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) veröffentlicht hat.

Demnach verbreite sich B.1.1.7. überall dort besonders schnell im Vergleich zu bereits bekannten Varianten von Sars-CoV-2, wo unzureichende Beschränkungen zu einem Anstieg der Infektionszahlen führen. In Gegenden in Großbritannien aber, in denen wirksame Maßnahmen gelten, sei auch die neue Variante weitgehend unter Kontrolle. Für Deutschland folgert Drosten daher, dass der Lockdown der Variante wenig Chance auf eine Verbreitung lassen dürfte.

Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass die neue Variante einen Einfluss auf die Krankheitsschwere hat, sagte Drosten. „Das ist ganz wichtig für die Bevölkerung, die sich jetzt Sorgen macht.“ Auch für einen verminderten Impfschutz gebe es keine Anzeichen.

Die neue Variante des Virus ist durch etwa 20 Mutationen in ihrem Erbgut charakterisiert. Die Mutation mit der Bezeichnung N501Y dürfte es leichter machen, in menschliche Zellen einzudringen und eine Infektion zu verursachen. Es ist laut Drosten jedoch unklar, was der Variante den entscheidenden Vorteil bringt. So sei denkbar, dass man bei B.1.1.7. weniger Viren ausgesetzt sein muss, um ansteckend zu werden. Es sei aber auch möglich, dass die Variante dafür sorgt, dass ein Infizierter mehr Viren im Rachen hat und dadurch ansteckender ist.

Positiv zu werten sei, dass der neuen Variante ein bestimmtes Gen fehle, dass eigentlich die Krankheitsschwere verstärkt, sagte Drosten. „Das ist die gute Nachricht.“ Es könnte also durchaus sein, dass B.1.1.7. harmloser ist. Möglicherweise sei das auch ein Grund für die schnellere Verbreitung. Denn Menschen ohne oder mit nur leichten Symptomen isolieren sich eher nicht und können dadurch vermehrt andere anstecken, so Drosten.

Bayern führt Corona-Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten ein

15.07 Uhr: Alle Urlaubs- und Familienrückkehrer aus Risikogebieten unterliegen künftig in Bayern einer strengen Corona-Testpflicht. Spätestens 72 Stunden nach der Einreise müssen sie beim zuständigen Gesundheitsamt ein Testergebnis vorlegen, dies hat am Dienstag das bayerische Kabinett in München beschlossen.

Brüssel fordert Ende von strikten Reiseverboten für Großbritannien

14.46 Uhr: Die EU-Kommission hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, die wegen der mutierten Variante des Coronavirus erlassenen strikten Reiseverbote von und nach Großbritannien zurückzunehmen. „Verbote von Flug- und Zugreisen sollten angesichts der Notwendigkeit, essenzielle Reisen zu gewährleisten und Unterbrechungen der Versorgungskette zu vermeiden, ausgesetzt werden“, erklärte die Brüsseler Behörde am Dienstag. Von nicht unbedingt notwendigen Reisen solle aber „abgeraten“ werden.

Thailand: Mehr als tausend Infizierte nach Corona-Ausbruch auf Meeresfrüchtemarkt

14.14 Uhr: In Thailand werden inzwischen mehr als tausend Infektionsfälle mit einem Corona-Ausbruch auf dem größten Meeresfrüchtemarkt des Landes in Verbindung gebracht. Von mittlerweile 6156 Corona-Tests seien 1063 positiv gewesen, teilten die Gesundheitsbehörden am Dienstag mit. Die meisten Infizierten sind Gastarbeiter aus Myanmar, die auf dem Mahachai-Markt in der Provinz Samut Sakhon südwestlich von Bangkok und in der thailändischen Fischindustrie arbeiten.

Thailands Regierungschef Prayut Chan-o-Cha sagte am Dienstag in einer Fernsehansprache, der große Corona-Ausbruch sei „in erster Linie“ auf illegale Einwanderer zurückzuführen. Sie hätten Thailand damit viel „Kummer“ gemacht. Jeder, der illegale Einwanderer ins Land bringe, müsse dafür „ohne Nachsicht“ zur Rechenschaft gezogen werden.

Zuerst war am vergangenen Donnerstag eine 67-jährige Krabbenverkäuferin positiv auf das Coronavirus getestet worden. Am Samstag wurde der Markt geschlossen, in der gesamten Umgebung wurden eine strikte Ausgangssperre und ein Lockdown bis Ende Januar verhängt. Die Gesundheitsbehörden kündigten an, mehr als 10.000 Menschen auf das Coronavirus zu testen.

Flughafen Dortmund: Sechs Großbritannien-Reisende positiv auf Coronavirus getestet

14.01 Uhr: Von den mehr als 100 bislang letzten Flugreisenden aus Großbritannien zum Flughafen Dortmund am Sonntag sind sechs positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach Angaben einer Sprecherin der Stadt Dortmund von Dienstag handele es sich nicht um Einwohner der Stadt, so dass die entsprechenden Gesundheitsbehörden im In- und Ausland über die Infektionen informiert wurden. Ein Testergebnis stand am Dienstag noch aus. Alle Reisenden seien weiterhin in häuslicher Quarantäne. Auch diejenigen mit negativen Testergebnissen müssen zunächst isoliert bleiben, sagte die Sprecherin.

„Um herauszufinden, an welcher Variante die Infizierten erkrankt sind, müsste ein weiterer Test vorgenommen werden, den wir hier nicht vorgenommen haben“, hieß es weiter. Ob weitergehende Analysen durchgeführt würden, obliege jeweils den Gesundheitsbehörden an den Wohnorten der Betroffenen. Wegen einer gefürchteten Mutation des Coronavirus war der Flugverkehr aus Großbritannien und Südafrika am Sonntag untersagt worden. Nordrhein-Westfalen hatte für beide die Quarantäne-Verordnung wieder in Kraft gesetzt.

Demnach gilt für Einreisende von dort eine Corona-Testpflicht. Schnelltests der gelandeten Passagiere von der Insel in Düsseldorf waren alle negativ ausgefallen. Auch am Flughafen Köln/Bonn waren am Sonntag noch zwei Passagierflugzeuge gelandet.

Sachsens Ministerpräsident erwartet in drei Wochen dritte Corona-Welle

13.40 Uhr: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erwartet rund um den Termin für das derzeit geplante Ende des harten Lockdowns eine dritte Corona-Welle in Deutschland. „Es wird eine dritte Welle geben. Die Frage ist, wie hoch sie ist“, sagte Kretschmer am Dienstag in Dresden.

Derzeit würden Experten davon ausgehen, dass sich diese dritte Welle im Zeitraum 10. bis 15. Januar in Deutschland zeige, sagte Kretschmer. Zum 10. Januar ist bisher das Ende des derzeitigen harten Lockdowns geplant, allerdings wird bereits über eine Verlängerung der Maßnahmen gesprochen.

Kretschmer sagte, wie groß die dritte Welle sei und welchen Schaden sie anrichte, liege allein in der Hand der Menschen in Deutschland. Diese müssten sich an die geltenden Beschränkungen halten. Aus seiner Sicht lägen vor Deutschland die zehn härtesten Wochen der Corona-Pandemie, warnte Kretschmer. Dabei äußerte er Zweifel, dass jeder verstanden habe, welches Verhalten jetzt notwendig sei.

Corona-Hotspot Sachsen: 600 Regelverstöße in einer Woche

13.02 Uhr:  Sachsen ist bundesweit der Corona-Hotspot – trotzdem halten sich zahlreiche Menschen weiterhin nicht an die Schutzverordnung. In der Zeit vom 14. bis 21. Dezember wurden im Bereich der Polizeidirektion Leipzig knapp 600 Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Schutz-Bestimmungen eingeleitet, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Allein 105 Verstöße gegen die Bestimmungen wurden im Rahmen des Demonstrationsgeschehens am vergangenen Samstag in Leipzig festgestellt.

Am Montag hatten sich in einer Garage in Torgau mehrere Menschen zum Bier trinken getroffen. Bei der Überprüfung zeigten sich die Anwesenden laut Polizei uneinsichtig. Es wurden sechs Anzeigen wegen eines Verstoßes gegen die Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung gefertigt. In Grimma war die Polizei Hinweisen nachgegangen, wonach sich etwa 20 Personen versammelt hatten. Beim Eintreffen der Beamten flüchteten die Menschen.

Die neue Mutation des Coronavirus, die bislang vor allem in Südostengland festgestellt wurde, bereitet weltweit und vor allem in Europa große Sorgen. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Wochenende erklärt, diese Form des Erregers sei „bis zu 70 Prozent ansteckender“ als die Ursprungsvariante. Zahlreiche Staaten, darunter auch Deutschland, beschränkten deshalb den Reiseverkehr mit Großbritannien.

Die WHO trat allerdings der Einschätzung der britischen Regierung entgegen, durch die Neumutation sei die Corona-Lage „außer Kontrolle“. Selbst wenn sich das Virus sich nun „ein kleines bisschen effizienter“ ausbreite, könne es gestoppt werden, sagte der WHO-Direktor für medizinische Notfälle, Michael Ryan. Er rief aber dazu auf, die Maßnahmen zur Eindämmung der neuen Virus-Variante zu verstärken.

Das WHO-Regionalbüro ist für 53 Länder zuständig, darunter auch Russland und mehrere zentralasiatische Staaten. In der gesamten Region wurden seit Beginn der Pandemie fast 24 Millionen Corona-Fälle registriert. Mehr als 500.000 Menschen starben an den Folgen der Viruserkrankung.

Berichte sorgen für Aufsehen: Neues Coronavirus ansteckender für Kinder?

11.44 Uhr: Die neuartige Mutation des Coronavirus namens B. 1.1.7 soll ansteckender für Kinder sein. Das sagte der britische Epidemiologe und Professor Neil Ferguson am Montag auf einer Pressekonferenz der sogenannten „Nervtag“-Gruppe („New and Emerging Respiratory Virus Threats Advisory Group“), die die britische Regierung berät. „Es gibt einen Anhaltspunkt, dass es eine höhere Neigung hat, Kinder zu infizieren“, sagte Ferguson.

Dies sei aus gesammelten Daten der letzten fünf bis sechs Wochen zu erkennen, so der Epidemiologe. Wieso es bei der Mutation zu einer höheren Infektionsgefahr komme, sei bislang jedoch nicht klar. Zunächst müsse diese Virusvariante jedoch weiter erforscht werden, bevor man Schlüsse daraus ziehen könne.

Vor allem in den bislang betroffenen Ländern hat die Behauptung des Epidemiologen für Aufregung unter der bereits verunsicherten Bevölkerung gesorgt. Der britische Premierminister Boris Johnson erklärte unlängst, dass die Mutation um 70 Prozent ansteckender sei als das ursprüngliche Coronavirus.

Ferguson selbst gilt jedoch als umstritten. Im Mai hatte er sich nicht an seine eigens geforderten Lockdown-Maßnahmen gehalten, weswegen er als Regierungsberater zurückgetreten war. Als Mitglied von „Nervtag“ wohnt er dieser Rolle nun jedoch wieder bei.

Spahn bittet um Verzeihung: „Wir hätten früher Masken besorgen sollen“

11.02 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich selbstkritisch. Auf die Frage, für welche Fehler er 2020 um Verzeihung bitten müsse, sagt er im Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Wir hätten als Bundesregierung früher beginnen sollen, Masken zu besorgen. Und ich hätte das als Gesundheitsminister früher anstoßen sollen.“ Eine Pflegekraft, der im Frühjahr FFP2-Masken fehlten, könne er nur um Verständnis bitten.

Auch mit Blick auf seine eigenen Mitarbeiter räumt der Minister Schwächen ein: „Wenn ich es im Nachhinein betrachte, gab es beispielsweise im März und April ein oder zwei extrem angespannte Situationen im Ministerium, in denen ich fairer zu Kolleginnen und Kollegen hätte sein können.“

Umgekehrt gibt sich Spahn großzügig: „Ich bin nicht nachtragend“. Und: „Unverzeihlich sind für mich nur Ereignisse, bei denen Vertrauen zutiefst missbraucht wurde. Das geschieht höchstens im Privaten.“ Im April hatte Jens Spahn im Bundestag mit Bezug auf die Pandemie gesagt, die Deutschen würden einander in den kommenden Monaten viel verzeihen müssen.

Mutiertes Coronavirus: Schweiz sucht 10.000 eingereiste Briten

10.22 Uhr: Wegen der neuen Coronavirus-Variante in Großbritannien läuft in der Schweiz die Suche nach einigen Tausend jüngst angereisten Briten auf Hochtouren. Am Montag hatten die Behörden rückwirkend Quarantäne angeordnet, um die Ausbreitung der neuen Variante in der Schweiz möglichst zu verhindern. Jeder, der seit dem 14. Dezember aus Großbritannien eingereist ist, muss bis zum 10. Tag nach der Ankunft in Quarantäne. Das betrifft auch Tausende Skiurlauber.

Nach Angaben der Behörden kamen vom 14. Dezember bis zur Einstellung der Flüge am Sonntagabend 92 Flugzeuge aus Großbritannien an. Allein am Genfer Flughafen waren es am vergangenen Wochenende etwa 3500 Passagiere. Die Behörden gehen von etwa 10 000 Fluggästen seit dem 14. Dezember aus.

Für die Suche nach den Gästen sind die Gesundheitsbehörden der Kantone zuständig, die auch sonst die Kontaktverfolgung bei Infizierten übernehmen. Das Bundesamt für Gesundheit hat von den Fluggesellschaften sämtliche Passagierlisten angefordert. Ankommende müssen wegen der Corona-Pandemie seit langem jeweils ein Formular ausfüllen und ihre Adresse in der Schweiz angeben.

Besonders viele britische Gäste hat traditionell der Skiort Verbier im Kanton Wallis. Der Ort geriet Anfang Dezember in die Schlagzeilen, weil Besucher Videos von dichtem Gedränge ohne jeglichen Abstand vor den Skiliften auf sozialen Medien hochgeladen hatten. Der Direktor des Tourismusbüros, Simon Wiget, versicherte anschließend, das inzwischen strikte Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt worden seien. In Verbier kämen die meisten britischen Gäste erst nach Weihnachten an, heißt es jetzt dort. Die, die schon da seien, würden kontaktiert.

Trotz Drucks aus dem Ausland haben nur einige Schweizer Kantone ihre Skigebiete über die Feiertage geschlossen. Die mit den größten Stationen, das Wallis mit Zermatt, Saas Fee und Crans Montana und Graubünden mit Davos-Klosters und Engadin-St. Moritz sind offen.

Beförderungsverbot für Großbritannien, Nordirland und Südafrika erlassen

10.26 Uhr: Das Bundesgesundheitsministerium hat wegen der Coronavirus-Mutation ab Dienstag ein generelles Beförderungsverbot für Reisende aus Großbritannien, Nordirland und Südafrika verhängt. Mit der Rechtsverordnung solle eine Ausbreitung nach Kontinentaleuropa verhindert werden, erklärte das Ministerium. Ab dem 1. Januar 2021 dürfen demnach nach vorheriger Genehmigung durch das Bundesinnenministerium Menschen mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in Deutschland befördert werden.

Das Beförderungsverbot betrifft laut Gesundheitsministerium den Personenverkehr per Zug, Bus, Schiff und Flug direkt aus den Ländern. Die entsprechende Verordnung gilt demnach bis zum 6. Januar. Ab Donnerstag müssen sich Reisende aus den Staaten sowie diejenigen, die sich in den vergangenen zehn Tagen vor der Einreise dort aufgehalten haben, auch auf das Coronavirus testen lassen. Die bestehende Quarantänepflicht bei Einreisen aus Risikogebieten gelte unbenommen, hob das Ministerium hervor.

„Solange es geht, wollen wir verhindern, dass sich eventuell gefährlichere Virus-Varianten nach Kontinentaleuropa ausbreiten“, begründete Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Schritt. Das Beförderungsverbot aus Großbritannien, Nordirland und Südafrika sei eine Vorsichtsmaßnahme, „bis wir mehr über die berichteten Cornavirus-Mutationen in beiden Ländern wissen“.

Telefonbetrüger bieten „erstes Coronavirus-Impfstoffpaket“ an

10.17 Uhr: Telefonbetrüger haben in Bonn versucht, mit der Aussicht auf einen Corona-Impfstoff Kasse zu machen. Der Fall habe sich am Montagnachmittag ereignet, berichtete die Polizei am Dienstag. Die Betrüger hätten eine Seniorin angerufen und sich als Mitarbeiter einer bekannten Impfstofffirma ausgegeben. Dann boten sie der Frau ein „erstes Corona-Impfstoffpaket“ zum Preis von 6000 Euro an. Die 64-Jährige erkannte die Masche allerdings und alarmierte die Polizei. Als ein vermeintlicher Geldabholer an der Wohnung der Seniorin klingelte, empfingen ihn Beamte. Das angebliche Impfserum hatten die Betrüger als spätere Post-Zusendung angekündigt.

Nach Angaben der Bonner Ermittler hatte es zuletzt mehrere ähnliche Betrugsversuche gegeben. Die Polizei stellte daher ausdrücklich klar, dass es keinen Verkauf von Corona-Impfstoff am Telefon gebe.

Polizei kündigt scharfe Kontrollen zu Weihnachten an

06.55 Uhr: Die Polizei will die Einhaltung der Corona-Beschränkungen an Weihnachten und Silvester scharf kontrollieren. „Wir erhöhen gerade die Präsenz im öffentlichen Raum“, sagte der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, der „Süddeutschen Zeitung“ am Dienstag. Jedoch werde die Polizei nicht „anlasslos von Haus zu Haus gehen und nachzählen, wie viele Leute am Tisch sitzen“. Wegen des Grundrechts auf Unversehrtheit der Wohnung sei dies auch gar nicht möglich.

„Aber wenn wir Hinweise bekommen, dass irgendwo Regeln verletzt werden, dann gehen wir dem nach“, sagte Radek. An die Bürger appellierte er zugleich, während der Feiertage nicht vorschnell die Polizei zu rufen. Wenn etwa die Nachbarn zu viele Menschen eingeladen hätten, sollten sie zunächst gebeten werden, sich an die Regeln zu halten. „Diese Pandemie erfordert von uns allen auch ein Stück Zivilcourage“, betonte der GdP-Vizechef.

Nächste Klinik schmeißt Coronavirus-Schutzkittel von van Laack raus

06.25 Uhr: Nach der Universitätsklinik Essen hat auch die Uni-Klinik Köln einem Zeitungsbericht zufolge etwa 48.000 Corona-Schutzkittel der Modefirma van Laack aussortiert. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Zeitung zitiert Kliniksprecher Timo Mügge mit den Worten: „Nach einem kurzen initialen Einsatz wurden diese nicht weiterverwandt, da bestimmte Chargen unseren Qualitätsanforderungen in der Krankenversorgung nicht gerecht wurden.“

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Uni-Klinik Essen mitgeteilt, sie habe rund 40.000 Kittel ausgemustert, weil die „beim Anziehen schnell reißen“. Die „Kittel-Affäre“ beschäftigt auch den Düsseldorfer Landtag. Die SPD-Opposition hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) rechtswidriges Vorgehen bei Aufträgen an van Laack vorgeworfen. Laschets Sohn Johannes hatte den Kontakt zu der Firma hergestellt, für die der Mode-Blogger als Werbepartner tätig ist.

Die SPD sieht nach Kritik an der Qualität der Schutzkittel „45 Millionen Euro in den Sand gesetzt“. Die Mönchengladbacher Firma weist dagegen Kritik an der Qualität der Lieferungen zurück.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte die umstrittene Auftragsvergabe ohne Ausschreibung für Kittel an die Firma van Laack vor einer Woche im Landtag verteidigt. Der Ministerpräsident habe keinen Einfluss genommen. Die Landesregierung habe mit dem Auftrag zügig auf den Mangel an Schutzausrüstung im Pflege- und Medizinbereich reagieren wollen.

„Das sieht nicht gut aus“: Drosten besorgt über Erkenntnisse zu neuer Coronavirus-Variante

Dienstag, 22. Dezember, 06.05 Uhr: Top-Virologe Christian Drosten hat sich auf Twitter besorgt über neue Erkenntnisse zur neu entdeckten Corona-Mutation B.1.1.7 gezeigt. In einem Tweet schreibt er: „Das sieht leider nicht gut aus.“

Er bezieht sich dabei auf einen Beitrag des Londoner Epidemiologen Adam Kucharski, in dem dieser die Untersuchungsergebnisse der britischen „Beratungsgruppe für Bedrohungen durch neue und aufkommende Atemwegsviren“ (NERVTAG) zusammenfasst. In dem Post ist zu lesen, dass sich die neue Corona-Mutation rund 71 Prozent schneller ausbreitet als andere Varianten. Zudem sei der R-Wert mit der Entdeckung der Virus-Version von 0,39 auf 0,93 angestiegen. Auch von einem „exponentiellen Wachstum trotz nationaler Lockdown-Maßnahmen“ ist in der kurzen Zusammenfassung zu lesen. Insgesamt ist die NERVTAG überzeugt, dass die neue Corona-Variante erheblich übertragbarer als andere Virus-Varianten ist.

Trotzdem zeigt sich Drosten am Ende seines Tweets zuversichtlich. In seinem Post schreibt er: „Positiv ist, dass Fälle mit der Mutante bisher nur in Gebieten zunahmen, wo die Gesamtinzidenz hoch oder ansteigend war. Kontaktreduktion wirkt also auch gegen die Verbreitung der Mutante.“

 

 

 



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VeröffentlichtDezember 22, 2020 von Thomas in Kategorie "Corona-Pandemie

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