Dezember 22 2020

Biontech- und Moderna-Vakzin: Die kompletten Zutatenlisten – und die Nebenwirkungen

Die EU hat den Impfstoff von Biontech und Pfizer als erstes Corona-Vakzin zugelassen. Die USA hat bereits dem zweiten Präparat eine Notfallzulassung erteilt: dem ebenfalls auf der mRNA-Technologie basierenden Impfstoff von Moderna.

Nach bereits erfolgten Notfallgenehmigungen in Großbritannien und anderen Ländern hat jetzt auch die EU den ersten Corona-Impfstoff zugelassen: das mRNA-Vakzin von Biontech und Pfizer. Die Impfungen gegen das Coronavirus können nun in der EU beginnen. In Deutschland sollen die ersten Personen bereits am 27. Dezember geimpft werden.

Das sei ein „Meilenstein“, kommentierte die Europäische Arzneimittelagentur EMA. Doch nicht jeder ist über den Impfstart gleichermaßen euphorisch. Viele hinterfragen die schnelle Zulassung und die damit verbundene kurze Testphase des Impfstoffs und sind skeptisch, was die Sicherheit des Vakzins angeht. FOCUS Online zeigt, welche Inhaltsstoffe die weltweit ersten zugelassenen Corona-Impfstoffe beinhalten und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Was ist drin im Impfstoff von Biontech und Pfizer?

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer basiert auf einer neuartigen Methode, der sogenannten mRNA-Technologie. Dabei werden keine Krankheitserreger oder deren Bestandteile benötigt wie bei herkömmlichen Impfstoffen. Vielmehr werden einigen wenigen Körperzellen mit dem Impfstoff Teile der Erbinformation des Virus als RNA mitgegeben – geliefert wird also der Bauplan für einzelne Virusproteine, die auch als Antigene bezeichnet werden. Diese Antigene aktivieren dann das Immunsystem und sollen so die schützende Immunantwort erzeugen.

Neben der künstlich im Labor hergestellt mRNA, die dem Organismus vorgaukelt, das Sars-CoV-2-Virus wäre in den Körper gelangt und damit die Bildung von Antikörpern provoziert, sind im Biontech-Impfstoff laut Beipackzettel weitere Stoffe enthalten – unter anderem solche mit schwer aussprechbaren Namen wie ALC-0315 = (4-Hydroxybutyl)azandiyl)bis (Hexan-6,1-diyl)bis(2-hexyldecanoat) oder ALC-0159 = 2-[(Polyethylenglykol)-2000]-N,N-ditetradecylacetamid.

„Das sind Lipide, also Fette, die als Hülle für die mRNA fungieren“, erklärt Friedemann Weber, Professor für Virologie, im Gespräch mit FOCUS Online. „Sie umgeben die mRNA und sorgen dafür, dass sie in die menschliche Zelle aufgenommen werden kann.“

Zudem Teil einer Impfdosis: Wasser und Kochsalz. „Durch die Salzlösung versucht man ein ähnliches Milieu zu schaffen, wie es auch in der Zelle selbst vorherrscht“, erläutert der Virologe. Dort kommt mRNA natürlicherweise vor. „Anders als in destilliertem Wasser behält die mRNA in der Salzlösung länger ihre chemischen Eigenschaften und damit ihre Wirksamkeit.“ Konservierungsstoffe oder andere Zusätze enthält der Impfstoff laut Beipackzettel nicht.

Hier die vollständige Liste der Inhaltsstoffe des Impfstoffs von Biontech und Pfizer:

  • Künstlich hergestellte mRNA
  • Folgende Lipide, also Fette: (4-hydroxybutyl)azanediyl)bis(hexane-6,1-diyl)bis(2-hexyldecanoate), 2-[(polyethylene glycol)-2000]-N, N-ditetradecylacetamide, 1,2-distearoyl-snglycero-3-phosphocholine und Cholesterol
  • Kaliumchlorid
  • Kaliumdihydrogenphosphat (Kaliumsalz der Phosphorsäure)
  • Natriumchlorid (Salz)
  • zweibasisches Natriumphosphat-Dihydrat
  • Saccharose (Zucker)

Das Fazit des Virologen: „Das, was in dem Beipackzettel drinsteht, ist nicht wirklich überraschend und in keinem Fall ein Grund zur Sorge. Es ist toll, dass es nach 20 Jahren Forschung an mRNA-Impfstoffen endlich ein mRNA-Vakzin bis zur Zulassung geschafft hat.“

Damit impfen lassen würde sich Weber daher sofort, wie er sagt. Mögliche Langzeitfolgen seien bisher zwar nicht abschließend auszuschließen. „Doch die Wahrscheinlichkeit dafür halte ich für sehr gering und der Vorteil gegen Sars-CoV-2 geschützt zu sein, überwiegt aus meiner Sicht bei Weitem.“

Was sind die Nebenwirkungen?

Im Beipackzettel als mögliche Nebenwirkungen aufgelistet sind:

  • Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als 80 Prozent)
  • Müdigkeit (mehr als 60 Prozent)
  • Kopfschmerzen (mehr als 50 Prozent)
  • Muskelschmerzen (mehr als 30 Prozent)
  • Schüttelfrost (mehr als 30 Prozent)
  • Gelenkschmerzen (mehr als 20 Prozent)
  • Fieber (mehr als 10 Prozent)

Insgesamt seien diese Nebenwirkungen in der Regel von leichter oder mäßiger Intensität und würden sich innerhalb weniger Tage wieder geben, heißt es weiter. Virologe Weber bewertet die Häufigkeit der beobachteten Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen Impfstoffen damit als eher hoch – „aber noch im Rahmen des Normalen“. Der Windpocken-Impfstoff etwa habe ein ähnliches Nebenwirkungsprofil wie das Corona-Vakzin.

Hinweise auf schwerwiegende Nebenwirkungen gibt es aus Sicht des Virologen bisher nicht. Auch kursierende Gerüchte, wonach der mRNA-Impfstoff die menschliche DNA verändern könnte, seien falsch und entbehrten einer wissenschaftlichen Grundlage.

Im „Bild“-Interview erklärt Biontech-Chef Ugur Sahin, dass er bezüglich möglicher Nebenwirkungen „keine Überraschungen“ erwarte. Die meisten Nebenwirkungen währen der klinischen Studie seien innerhalb kurzer Zeit nach dem Verabreichen des Vakzins aufgetreten. Natürlich, das gibt der Mediziner zu bedenken, müsse nun weiter beobachtet werden, ob sich auf lange Sicht weitere Nebenwirkungen zeigen. Biontech und Pfizer beobachten ihre Probanden noch mindestens weitere zwei Jahre.

Moderna-Impfstoff könnte Anfang Januar EU-Zulassung erhalten

In den USA wird der Impfstoff von Biontech und Pfizer bereits seit vergangener Woche verabreicht. Anfang dieser Woche folgte nun eine weitere Notfallzulassung: Am Montag erhielten dort die ersten Menschen den Impfstoff des US-Unternehmens Moderna. Die Vereinigten Staaten sind das weltweit erste Land, in dem der Impfstoff abseits von Tests schon regulär zum Einsatz kommt. In Europa ist die Sitzung der verantwortlichen EMA zu einer möglichen Zulassung für den 6. Januar angesetzt.

Ähnlich wie der Impfstoff von Biontech und Pfizer basiert der Moderna-Impfstoff auf künstlich hergesteller messenger RNA. Ein großer Unterschied zwischen den beiden Präparaten sind die Transportbedingungen. Biontech/Pfizers Impfstoff erfordert Temperaturen von bis zu minus 70 Grad Celsius. Der Moderna-Impfstoff muss dagegen nur bei Kühlschranktemperaturen aufbewahrt werden, um haltbar zu bleiben.

Was ist drin?

Ähnlich wie im Impfstoff von Biontech und Pfizer sind im Moderna-Impfstoff neben der künstlich hergestellten Messenger-RNA (mRNA) auch Lipide, Salze und Zucker enthalten. Dies geht aus einem vom Hersteller veröffentlichten Infoblatt hervor. Außerdem enthält der Moderna-Impfstoff Tromethamin, das als Puffersubstanz dient und Essigsäure.

Hier die vollständige Liste der Inhaltsstoffe des Moderna-Impfstoffs:

  • Künstlich hergestellte mRNA
  • Folgende Lipide, also Fette: SM(sphyngomyelin)-102, Polyethylene glycol [PEG] 2000 dimyristoyl glycerol [DMG], 1,2-distearoyl-sn-glycero-3-phosphocholine [DSPC] und Cholesterol
  • Tromethamin (Puffersubstanz)
  • Tromethamin-Hydrochlorid
  • Essigsäure
  • Natriumacetat (Natriumsalz)
  • Saccharose (Zucker)

Was sind die Nebenwirkungen?

Laut dem Infozettel von Moderna sind mögliche bekannte Nebenwirkungen des Vakzins:

  • Schmerzen, Spannungsgefühle and Lymphknotenschwellung an der Einstichstelle bzw. in dem Arm, an dem die Impfung erfolgt; sowie Schwellung und Rötung
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Fieber

Es besteht laut Hersteller zudem ein geringes Risiko, dass das Vakzin eine schwerwiegende allergische Reaktion auslöst. Die Häufigkeit der jeweiligen Nebenwirkungen wird im Infozettel von Moderna nicht genannt.



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VeröffentlichtDezember 22, 2020 von Thomas in Kategorie "Erklärungen", "Impfstoff & Impfungen

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