Januar 16 2021

Inzidenz im Corona-Hotspot Sachsen sinkt deutlich – Indien startet große Impfkampagne

20:25:00

Top-News zur Corona-Pandemie am 16. Januar 2021

  • Polizei muss illegale Party zweimal beenden – Feiernde werden Flaschen auf Beamte (12.39 Uhr)
  • Erneut illegale Shisha-Runde in Hamburg aufgelöst (09.24 Uhr)
  • Zoff um generelle Ausgangssperre (7.54 Uhr)

Südafrikanische Corona-Variante erstmals in Dänemark nachgewiesen

19.01 Uhr: Die zuerst in Südafrika aufgetretene Variante des Coronavirus ist zum ersten Mal in Dänemark nachgewiesen worden. Der Fund der Variante B.1.351/501Y hänge mit einer Reise nach Dubai zusammen, teilte das dänische Gesundheitsinstitut SSI am Samstagabend mit. Die aus England stammende Corona-Mutante ist bereits vor Wochen im nördlichsten deutschen Nachbarland eingetroffen: Sie wurde bisher 256 Mal im Land nachgewiesen.

Die britische Variante macht nach SSI-Angaben im Augenblick 3,6 Prozent aller positiven Corona-Befunde aus, die man in Dänemark sequenziert. Das Institut geht allerdings davon aus, dass diese Mutation in den kommenden Wochen und Monaten häufiger vorkommen wird – wie häufig, das hänge davon ab, wie gut die Kontaktzahlen kontrolliert werden könnten.

Südafrika hatte Ende vergangenen Jahres die Entdeckung der neuen Corona-Variante bekanntgegeben. Sie hat Experten zufolge Ähnlichkeiten mit der Virus-Mutation aus Großbritannien, hat sich aber demnach unabhängig entwickelt.

Inzidenz im Corona-Hotspot Sachsen sinkt auf 256

17.35 Uhr: In Sachsen ist die Zahl der Corona-Infektionen auf über 165 000 angestiegen. Von Freitag auf Samstag wurden 1823 neue Fälle registriert, wie aus den aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Es gab 188 weitere Corona-Sterbefälle. Insgesamt 4982 Menschen sind damit bislang in Sachsen mit oder an dem Coronavirus gestorben.

Der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche liegt demnach bei 256. Am Freitag war er mit 274 noch höher. Auch deutschlandweit ist der Inzidenzwert etwas gesunken – auf 139.

„Durch die stringenten sächsischen Maßnahmen sinkt die Inzidenz deutlich“, twitterte Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) am Samstag. Im Dezember habe der Wert bei über 400 gelegen. Gleichzeitig appellierte er an die Menschen, die Zeit bis zum 8. Februar zu nutzen, um Corona so weit wie möglich zurückzudrängen. „Dann können wir lockern und sind vorbereitet, falls die Mutation auftritt.“

In den vergangenen Tagen hatte sich Kretschmer wiederholt für eine Verschärfung der Lockdown-Maßnahmen in ganz Deutschland ausgesprochen, wenn die Zahl der Neuinfektionen nicht sinkt. Auch aus Sorge wegen der aufgetauchten Coronavirus-Mutationen nimmt die Diskussion über zeitnahe Verschärfungen des Lockdowns an Fahrt auf. Bund und Länder ziehen ihre Beratungen auf nächste Woche vor.

Mega-Kampagne gestartet: Indien impft ab heute 300.000 Menschen täglich

12.49 Uhr: In Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern ist am Samstag eine Mega-Impfkampagne gegen das Coronavirus angelaufen. In 3000 Impfzentren sollten allein am ersten Tag rund 300.000 Menschen geimpft werden, beteiligte Krankenhäuser waren mit Blumen und Luftballons geschmückt. Als erstes sollen in dem Schwellenland 30 Millionen Mitarbeiter im Gesundheitswesen und aus anderen Risikobereichen geimpft werden. Danach folgen bis Juli rund 270 Millionen Menschen über 50 Jahren und Risikopatienten.

Premierminister Narendra Modi sagte in einem Video zum Impfstart, normalerweise dauere es viele Jahre, um einen Impfstoff zu entwickeln. Nun seien in Indien binnen kurzer Zeit sogar zwei Vakzine verfügbar. „Die Welt hat immenses Vertrauen in die indischen Wissenschaftler und die Leistungsfähigkeit der Impfstoff-Produktion“, fügte er hinzu.

Zugelassen sind in Indien bisher zwei Impfstoffe: Covishield vom britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca, das vom Serum Institute in Indien hergestellt wird, und Covaxin vom indischen Konzern Bharat Biotech. Um das einheimische Vakzin gibt es allerdings heftigen Streit, weil dieses schon vor Ende der klinischen Tests eine Notfallzulassung erhielt.

Polizei muss illegale Party zweimal beenden – Feiernde werden Flaschen auf Beamte

12.39 Uhr: Bei einem Einsatz gegen eine illegale Geburtstagsfeier in Delmenhorst ist es zu Widerstand und Flaschenwürfen gegen Polizisten gekommen. Erst der Einsatz von Pfefferspray habe die Angriffe in der Nacht zum Samstag abgewehrt, teilten die Beamten mit. Ein 24-jähriger Besucher aus Berlin wurde in Gewahrsam genommen.

Die Polizei war kurz vor Mitternacht über eine Ruhestörung durch eine Party mit mindestens zwölf Personen informiert worden. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte flohen einige Gäste. Die Party konnte zunächst mit mehreren Anzeigen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen die Corona-Auflagen beendet werden. Am Morgen rückte die Polizei aber erneut aus, da einige Feierende meinten, die Party fortsetzen zu können. Sie werden für diese Nacht zweimal Bußgeld zahlen müssen.

Dramatische Lage in Brasilien: Menschen stehen Schlange, um Sauerstoff für erkrankte Angehörige zu ergattern

12.32 Uhr: Dramatische Zustände in den Krankenhäusern im Bundesstaat Amazonas haben neue Proteste gegen den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ausgelöst. In Millionenstädten wie Rio de Janeiro, São Paulo oder Brasília gingen am Freitagabend zahlreiche Menschen auf ihre Balkone, schlugen mit Löffeln auf Töpfe und riefen „Bolsonaro, tritt zurück“. Ähnliche Proteste hatte es zuletzt Mitte 2020 auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise gegeben.

Der Bundesstaat Amazonas im Nordwesten Brasiliens, wo das Gesundheitssystem schon im vergangenen April und Mai zusammengebrochen war und Tote in Massengräbern bestattet werden mussten, ächzt seit einigen Wochen wieder unter steigenden Infektionszahlen. Die Intensivstationen sind voll, viele Kliniken haben bereits keinen Sauerstoff zur Beatmung schwer kranker Patienten mehr. Betroffen sind nicht nur Corona-Patienten, sondern etwa auch zu früh geborene Babys.

Berichte über erstickende Patienten und verzweifelte Angehörige, die selbst Sauerstoffflaschen für kranke Verwandte in die Kliniken bringen, sorgen im ganzen Land für Entsetzen. In Manaus, der Hauptstadt von Amazonas, standen am Freitag dutzende Menschen Schlange, um Sauerstoff zu ergattern. „Diese hier ist für meine Oma“, sagte ein Mann, der eine riesige grüne Sauerstoffflasche mitnahm.

Mit mehr als 208.000 Toten ist Brasilien nach den USA das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land der Welt.

Weltärzte-Chef Montgomery fordert Bußgelder zur Durchsetzung von mehr Homeoffice

11.17 Uhr: Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat sich für Strafzahlungen für Unternehmen ausgesprochen, die sich in der Corona-Pandemie einer verstärkten Nutzung des Homeoffice verweigern. „Wenn Betriebe zu Infektionsherden werden und dadurch gesellschaftliche Kosten entstehen, obwohl das durch mehr Homeoffice im Unternehmen vermeidbar wäre, dann sind auch Bußgelder für Firmen geboten“, sagte Montgomery der „Saarbrücker Zeitung“ vom Samstag.

Dies dürfe „kein Tabu“ sein, betonte Montgomery. Trotz Lockdown gebe es immer noch zu viele persönliche Kontakte und zu viel Mobilität. Für den beruflichen Bereich heiße das, „alles, was irgend geht, ins Homeoffice zu verlagern“.

Zudem müssten die Hygiene-Konzepte in den Unternehmen noch einmal auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. „Es nützt wenig, allein im Büro zu sitzen, aber mittags in der Kantine unter vielen Kollegen“, warnte der Verbandsvorsitzende. Außerdem halte er eine Kontaktreduzierung auch „um den Preis der zeitweiligen Stilllegung einzelner Fertigungsbereiche“ für gerechtfertigt, wenn dies notwendig sei, um die Pandemie einzudämmen.

Erneut illegale Shisha-Runde in Hamburg aufgelöst

09.24 Uhr: Die Hamburger Polizei hat erneut eine illegale Shisha-Runde aufgelöst. Neun Menschen hätten am späten Freitagabend in einer Bar im Stadtteil Hamm zusammen Wasserpfeife geraucht, teilte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen mit. Beamte hatten ihm zufolge zuvor Stimmen aus dem Gebäude gehört und dieses daraufhin kontrolliert. Dabei trafen sie auf die neun Versammelten, darunter zwei Minderjährige. Auch der Betreiber war vor Ort. Zuvor hatte der NDR berichtet.

Das Lokal wurde geräumt und zusätzlich die Feuerwehr dazugeholt, um den Kohlenmonoxid-Wert zu messen. Es konnte jedoch keine Gesundheitsgefährdung festgestellt werden.

Nach Angaben des Polizeisprechers wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie müssen in Hamburg – wie auch bundesweit – Restaurants, Bars und Kneipen aktuell geschlossen sein. Bereits in der Nacht zu Freitag war die Hamburger Polizei gegen den illegalen Betrieb einer Shisha-Bar im Stadtteil Wandsbek vorgegangen.

Zoff um generelle Corona-Ausgangssperre

7.54 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen ausgesprochen. Der Grund: Sorge vor der Virusmutation in Großbritannien. Im Gespräch sind etwa eine generelle Ausgangssperre, eine FFP2-Maskenpflicht sowie eine Home-Office-Pflicht. Kritik kommt von den SPD.

Die aktuellen Infektionszahlen seien wegen der Feiertage nicht aussagekräftig genug, um weitere einschneidende Beschränkungen, etwa eine generelle Ausgangssperre, zu beschließen, hieß es in einer Schalte der SPD-geführten Bundesländer, berichtet die „Bild“. Weder die Verbreitung noch die Gefährlichkeit der britischen Mutation sei geklärt. Einige SPD-Politiker fordern demnach mehr Zahlen und Fakten zur Corona-Lage, um weitere Entscheidungen zu treffen.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kritisierte: „Die Mutation macht uns allen große Sorgen. Wir brauchen am Montag eine Beratung mit den Wissenschaftlern. Auf dieser Basis müssen wir am Dienstag weitere Entscheidungen treffen.“ Ein anderer SPD-Minister sagte der Bild: „Es ist eine Katastrophe, dass Jens Spahn noch nicht dafür gesorgt hat, dass es eine Sequenzierung gibt. Das bedeutet: Wir wissen schlichtweg nicht, wie die Zahlen wirklich sind bei der Mutation. Wie sollen wir da Entscheidungen fällen?“

Schwesig will deshalb vor dem Bund-Länder-Gipfel am Dienstag mit denselben Experten sprechen, die Merkel beraten. Der eigentlich für 25. Januar angestrebte Bund-Länder-Gipfel wurde auf kommenden Dienstag vorgelegt.

Covid-19-Simulation ergibt: Lockdown bis Ende Januar reicht nicht

07.08 Uhr: Der von Politikern verfolgte Zielwert bei Corona-Neuinfektionen für ein Lockdown-Ende wird nach Berechnungen des Saarbrücker Pharmazie-Professors Thorsten Lehr Ende Januar wohl nicht erreicht. „Die Chance ist extremst gering bis nicht vorhanden“, sagte Lehr der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Er ging davon aus, dass die angestrebte Rate von 50 bei Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen frühestens Mitte Februar möglich sei. „Und das wäre eine optimistische Vorhersage.“

Der Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes hat mit seinem Forscherteam einen „Covid-Simulator“ entwickelt, der das Infektionsgeschehen in Deutschland berechnet und Prognosen liefert: für ganz Deutschland, die einzelnen Bundesländer bis hin auf Landkreisebene. Er kann auch online genutzt werden: In den vergangenen zwei Monaten wurde die Seite fast eine Million Mal aufgerufen, wie er sagte.

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitag bundesweit laut Robert Koch-Institut bei 146. „Momentan ist eigentlich kein Absinken in Sicht“, sagte Lehr. „Es stagniert vielmehr.“ Wegen Nachmeldungen aufgrund der Feiertage gebe es immer noch gewisse Unklarheiten bei den Zahlen. Festzustellen sei aber, dass die derzeitigen Maßnahmen „nicht so greifen“.

Dabei brauche es auch angesichts der neuen drohenden Virusvarianten, die durch Mutationen entstanden und hochansteckend sind, «dringend eine Reduktion des Infektionsgeschehens», sagte er. Die neuen Mutante zum Beispiel aus Großbritannien könnte den R-Wert sprunghaft um 0,5 nach oben schnellen lassen. „Dann würden viele Maßnahmen auf einen Schlag weggewischt. Und da zeigt sich dann: Je weiter wir unten sind, desto besser können wir die Ausbreitung bremsen.“

Lehr tritt für einen Wert von 25 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche ein, ab dem Lockerungen möglich werden könnten. Die Politik orientiert sich bisher an der Marke von 50.

Brinkhaus: Jetzt lieber einmal richtigen Corona-Lockdown statt Endlosschleife bis Sommer

Samstag, 16. Januar, 01.04 Uhr: Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) plädiert für eine umfassende Ausweitung der Corona-Beschränkungen. „Jetzt lieber einmal richtig – anstatt eine Endlosschleife bis in den Sommer hinein“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ/Samstag). „Insbesondere die hohe Ansteckungsrate der neuen Mutation beunruhigt uns sehr. Wir müssen versuchen, diese neuen Virus-Varianten durch konsequente Maßnahmen rechtzeitig einzudämmen.“

In der WDR-Sendung „Aktuelle Stunde“ antwortete er am Freitagabend auf die Frage, ob bei der Beratung von Kanzlerin Angela Merkel mit den Landesregierungschefs am Dienstag nächtliche Ausgangsbeschränkungen zu erörtern seien: „Ja, es muss alles auf den Tisch gelegt werden.“ Die Infektionszahlen seien weiter zu hoch. Bei RTL/ntv sagte er zudem: „Wir müssen nochmal mit der Industrie und der Wirtschaft reden, ob da wirklich alle Kapazitäten für mobiles Arbeiten im Homeoffice ausgenutzt werden. Wir werden auch nochmal schauen müssen, ob man den Nahverkehr nicht abschaltet oder zumindest so organisiert, dass dort nicht mehr so viele Menschen in einem Bus oder in einem Waggon sind.“

Angesichts von abermals teils abweichenden Länderregelungen nach der letzten Bund/Länder-Beratung am 5. Januar setzte Brinkhaus in der „NOZ“ hinzu: „Und ich erwarte, dass die Dinge, die auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin beschlossen werden, dann zu Hause in den Landeshauptstädten eins zu eins umgesetzt und konsequent nachgehalten werden.“



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VeröffentlichtJanuar 16, 2021 von Thomas in Kategorie "Corona-Pandemie

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