Juni 19 2020

Tönnies-Ausbruch: Laschet schließt lokalen Lockdown nicht mehr aus

18.30 Uhr: Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schließt nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies mit Hunderten Infizierten einen regionalen Lockdown nicht mehr aus.

Das Infektionsgeschehen könne noch lokalisiert werden. „Sollte sich dies ändern, kann auch ein flächendeckender Lockdown in der Region notwendig werden“, sagte Laschet am Freitagabend in Düsseldorf.

„Das größte, bisher nie dagewesene Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen“, sagte Laschet. Nach Auftreten des Virus in einem Tönnies-Werk sind im Kreis Gütersloh bereits das Schließen von Schulen und Kitas angeordnet worden. Einen Lockdown will der Kreis nach bisherigen Angaben aber mit diesen und weiteren Maßnahmen abwenden.

Der NRW-Ministerpräsident sieht ein großes Problem in der breiten Streuung der Wohnorte der Tönnies-Beschäftigten. Er sprach am Freitag in Düsseldorf von einer schwierigen Lage, weil die Mitarbeiter des Schlachtbetriebs neben dem Kreis Gütersloh auch in Warendorf, Soest, Bielefeld, Hamm und anderen Orten lebten. Diese Streuung berge eine enorme Pandemiegefahr.

Inzwischen 803 Infektionen nachgewiesen

17.55 Uhr: Im Zuge des Corona-Ausbruchs bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind inzwischen 803 Infektionen registriert. Das teilte der Kreis Gütersloh am Abend mit (Stand 19. Juni, 0 Uhr). Am Vorabend hatte die Zahl bei 730 gelegen. Negativ fielen den Angaben zufolge bisher 463 Testergebnisse aus. Eingesammelt wurden insgesamt über 3500 Proben für den von Behörden angeordneten Reihentest, der am Freitag mit Hilfe der Bundeswehr fortgesetzt wurde.

Arbeitsschutz fand noch vor wenigen Wochen Mängel in Tönnies-Kantine

16.23 Uhr: Bei Kontrollen in der Kantine des Schlachtbetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hat der Arbeitsschutz zwischen dem 11. und 18. Mai Mängel festgestellt. Zwischen den Nutzern einer Kantine seien die Abstände zu gering gewesen, teilte ein Sprecher der Bezirksregierung Detmold der Deutschen Presse-Agentur mit. Bei einer Nachkontrolle am 29. Mai seien die Mängel bei den Hygienevorgaben abgestellt gewesen. Auch sei die Zahl der Sitzplätze wie verlangt reduziert worden.

Erst am Donnerstag war ein Video aufgetaucht, das zeigte, dass auch im April Missstände im Betrieb herrschten.

Vor dem sprunghafte Anstieg von Corona-Infizierten in der Belegschaft von Tönnies am Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück hatte die Firma Westfleisch in ihren Werken in Coesfeld und in Dissen in Niedersachsen ebenfalls eine hohe Zahl von Infizierten vermeldet. Im Regierungsbezirk Detmold wurden daraufhin neben den Betrieben auch mehr als 410 Unterkünfte von Werksarbeitern kontrolliert.

Der Tönnies-Betrieb in Rheda-Wiedenbrück steht wegen des Corona-Ausbruchs seit Mittwoch weitgehend still. Rund 7000 Mitarbeiter müssen auf das Virus getestet werden. Bei 730 ist bislang (Stand Donnerstagabend) eine Infektion nachgewiesen.

Soldaten bei Tönnies-Betrieb im Einsatz – Erste Tests laufen

16.15 Uhr: Nach dem Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies sind 25 Soldaten der Bundeswehr am Freitag beim Werk in Rheda-Wiedenbrück eingetroffen, um erste Tests durchzuführen. De Sprecher der Bundeswehr in Nordrhein-Westfalen, Uwe Kort, teilte weiter mit: „Es wurden Absperrungen und Zäune aufgebaut.“ Der Kreis Gütersloh hatte die Bundeswehr zuvor um Hilfe bei einem Reihentest auf Corona-Infektionen bei dem Schlachtbetrieb gebeten.

„Der Kreis hat aber weiter die Verantwortung“, so der Bundeswehr-Sprecher. „Wir unterstützen nur.“ Insgesamt 25 Soldaten aus Augustdorf im benachbarten Kreis Lippe und aus Rheinland-Pfalz sind nun in Rheda-Wiedenbrück im Einsatz. 13 davon sind als Sanitätssoldaten vor Ort, 12 zur Dokumentation.

Focus Online: Freitag, 19.06.2020, 18:35


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VeröffentlichtJuni 19, 2020 von admin in Kategorie "NRW", "Schlachthöfe

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