Februar 23 2021

Schon vor dem Gipfel schmiedet Berlin eigenen Öffnungs-Plan – Lauterbach: „Dritte Welle lässt sich nicht mehr aufhalten“

Top-News zur Corona-Pandemie vom 23. Februar

  • Mini-Studie: Mit Briten-Mutation Infizierte möglicherweise deutlich länger ansteckend (18.10 Uhr)
  • Bericht: Merkel spricht in Fraktionssitzung von dritter Welle (16.07 Uhr)
  • Nach Söders Baumarkt-Ansage ist der Nachbar sauer (15.03 Uhr)
  • Bis zu 630 Prozent: Johnsons Öffnungsplan sorgt für Buchungs-Boom bei Reisen (10.56 Uhr)
  • Biden gedenkt 500.000 amerikanischen Corona-Toten (06.34 Uhr)
  • Lauterbach: „Dritte Welle lässt sich nicht mehr aufhalten“ (06.07 Uhr)

Kretschmann warnt vor übereilten Lockerungen: „Nicht zu schnell und nicht zu breit“

21.49 Uhr: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat vor übereilten Lockerungen des Corona-Lockdowns gewarnt. Man dürfe „nicht zu schnell und nicht zu breit auf einmal öffnen“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der „Heilbronner Stimme“. „Das haben wir bei den Österreichern gesehen. Das führt zu Rückschlägen.“ Über weitere Öffnungen soll am 3. März die nächste Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entscheiden.

Kretschmann sprach sich auch gegen Forderungen aus, den sogenannten Inzidenzwert nicht mehr als wichtigsten Maßstab für Corona-Maßnahmen heranzuziehen. „Die Inzidenz ist die einzige handfeste Zahl, die wir haben.“ Er erinnerte daran, dass die Gesundheitsämter nur bei 50 Infektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in der Lage seien, die Kontakte nachzuverfolgen. Der Regierungschef versicherte aber zugleich, man gewichte auch andere Dinge, wie etwa die Belegung der Intensivbetten.

Kretschmann zeigte Verständnis dafür, dass der Lockdown den Menschen „auf den Zeiger“ geht. „Es treten jetzt natürlich Ermüdungserscheinungen ein.» Allerdings sei dem Virus egal, «wie wir uns fühlen“. Er appellierte an die Menschen, sich weiter diszipliniert an die Corona-Regeln zu halten: „Jetzt nicht schlappmachen zum Schluss.“

Mini-Studie: Mit Briten-Mutation Infizierte möglicherweise deutlich länger ansteckend

18.10 Uhr: US-Forscher aus Harvard und anderen renommierten Universitäten haben eine Studie zur britischen Corona-Mutation B.1.1.7 durchgeführt. Die Untersuchung legt nahe, dass Menschen, die sich mit der Virus-Version infiziert haben, den Erreger länger in sich tragen können und somit über einen größeren Zeitraum hinweg infektiös sind. Insgesamt überwachten die Wissenschaftler 65 Corona-Positive mit täglichen PCR-Tests, sieben der Probanden hatten sich mit der Virus-Variante B.1.1.7 angesteckt.

Die Forscher fanden heraus, dass eine Infektion mit dem britischen Ableger im Schnitt 13,3 Tage dauerte – also rund fünf Tage länger als in der Vergleichsgruppe. Eine höhere Viruskonzentration konnten die Wissenschaftler bei den Mutanten-Infizierten jedoch nicht feststellen. Die Forscher kommen in der Studie zu dem Schluss: „Diese Daten liefern Hinweise darauf, dass die SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7 im Vergleich zu Nicht-B.1.1.7-SARS-CoV-2 längere Infektionen mit einer ähnlichen maximalen Viruskonzentration verursachen kann. Diese verlängerte Dauer kann zur erhöhten Übertragbarkeit von B.1.1.7-SARS-CoV-2 beitragen.“

Trotzdem sind die Daten mit Vorsicht zu betrachten. Denn mit nur 65 Probanden ist die Teilnehmerzahl relativ gering – verallgemeinerbare Aussagen sind vor diesem Hintergrund also schwierig. Darauf weisen die Forscher auch selbst hin: Nicht nur sei die untersuchte Gruppe zu klein, 90 Prozent der Studienteilnehmer seien zudem Männer gewesen. Die Wissenschaftler schreiben: „Sollten sich die Ergebnisse jedoch durch weitere Daten bestätigen, könnte eine längere Isolationszeit als die derzeit empfohlenen 10 Tage nach Auftreten der Symptome erforderlich sein, um Sekundärinfektionen durch diese Variante wirksam zu unterbrechen.“

Auf Mallorca ist die Corona-Lage inzwischen besser als in Deutschland

17.27 Uhr: Die Corona-Lage auf des Deutschen liebster Urlaubs-Insel Mallorca und auf den anderen Balearen verbessert sich im Zuge des strengen Lockdowns weiterhin rapide. Die spanische Region meldete am Dienstag nur noch 52 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das sind die niedrigsten Werte seit Ende Juli. Vor genau einer Woche waren noch 128 neue Fälle erfasst worden. Der am 4. Januar registrierte Tageshöchstwert lag mit 1865 sogar mehr als 35 Mal so hoch.

Mit rund 46 Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gehören die Balearen, die im Dezember lange die schlimmsten Zahlen ganz Spaniens hatten, inzwischen zu den Regionen des Landes mit den besten Werten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid lag nur Extremadura an der Grenze zu Portugal mit einer sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz von 36,5 besser. Die Kanaren, die vom Tourismus genauso stark abhängig sind wie die Balearen, hatten knapp 48.

Mallorca hat aktuell auch bessere Zahlen als fast alle deutsche Regionen. Nach Angaben des Robert Koch Instituts lag die Sieben-Tage-Inzidenz zum Beispiel in Hamburg bei 66, in Berlin bei 55 und in Bayern bei 58. „Spitzenreiter“ ist Thüringen mit 120. Nicht nur bei den Infektionen gibt es eine positive Entwicklung auf den Balearen. Auch die Lage in den Krankenhäusern entspannt sich zusehends. Die Zahl der Intensivpatienten mit Covid ging am Dienstag um fünf auf 60 zurück. Noch vor einem Monat waren es 128 gewesen.

Merkel wird in interner Sitzung deutlich: „Haben es jetzt mit einer dritten Welle zu tun“

16.07 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel sieht Deutschland bereits in der dritten Welle der Corona-Pandemie angekommen. Wie der Sender RTL berichtet, habe die Kanzlerin in einer CDU/CSU-Fraktionssitzung gesagt: „Wir können die Tatsache nicht wegdefinieren, dass wir es jetzt mit einer dritten Welle zu tun haben.“ Die angekündigte Öffnungsstrategie soll von einer Arbeitsgruppe um Kanzleramtsminister Helge Braun dennoch ausgearbeitet werden. Merkel hat nach Informationen von RTL dort auch bereits eine klare Vorstellung: „Für den Bereich der Wirtschaft heißt das für mich: Zuerst die Geschäfte, dann Restaurants und erst dann Hotels“, soll die Kanzlerin in der Fraktionssitzung gesagt haben.

Öffnung der Geschäfte in Deutschland? FOCUS Online beantwortet Ihre Fragen!

Seit nunmehr drei Monaten lebt Deutschland im Lockdown. Nur langsam wagt sich die Politik an das heikle Thema Öffnungen. Ab 1. März dürfen Friseure den Betrieb wieder aufnehmen, in Sachen Schulen und Kitas entscheiden die Bundesländer individuell.

Ein großes Fragezeichen steht weiterhin hinter dem Einzelhandel, der unter der Last des Lockdowns zu kollabieren droht. Erste Bundesländer haben deswegen in ihren Lockerungsstrategien Öffnungsszenarien für den Handel entwickelt. Bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 3. März wird das Thema eine zentrale Rolle einnehmen.

Wir möchten Ihnen schon jetzt die Möglichkeit geben, uns Ihre Fragen rund um das Thema Shopping und Geschäftsöffnungen zu schicken. Was beschäftigt Sie, wo wünschen Sie sich mehr Klarheit, was sollen wir genauer erklären? Schicken Sie uns Ihre Fragen an meine-frage@focus.de, gerne mit vollständigem Namen, Alter und Wohnort. Wir bemühen uns, möglichst viele der Einsendungen zu beantworten und darüber zu berichten. Dabei werden wir auch den Absender der Frage veröffentlichen.

„Bisher war er immer der harte Hund“: Nach Söders Baumarkt-Ansage ist der Nachbar sauer

15.02 Uhr: Dass die Bayern die Baumärkte ab Montag wieder öffnen, sorgt für Unmut im benachbarten Baden-Württemberg. Man sei irritiert angesichts der Kehrtwende des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet am Dienstag der dpa in Stuttgart. „Bisher war er immer der harte Hund, jetzt fängt er an, eine Sache nach der anderen Sache zu öffnen“, sagte Hoogvliet. „Ich weiß nicht, was das soll.In Baden-Württemberg sei eine reguläre Öffnung der Baumärkte nicht vorgesehen. Es habe keine Abstimmung Bayerns dazu gegeben, sagte der Sprecher auch mit Blick auf Shoppingtouristen, die nun möglicherweise über die Landesgrenze fahren. Auch verstehe man nicht, warum Söder damit nicht auf die Ministerpräsidentenkonferenz kommende Woche gewartet habe. Man nehme den Beschluss zur Kenntnis. Für die Öffnung von Blumenläden ab Montag habe man noch Verständnis, da es sich um verderbliche Ware handle, sagte Hoogvliet. Aber: „Hammer und Farbe verderben nicht so schnell.“

Das bayerische Kabinett beschloss am Dienstag bei seiner Sitzung in München, dass die zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossenen Baumärkte vom kommenden Montag an wieder regulär für Kunden öffnen dürfen

Sachsen-Anhalt lockert – Baumärkte, Floristen und Fahrschulen öffnen ab März

15.11 Uhr: In Sachsen-Anhalt dürfen neben den Schulen und Friseuren ab März auch mehrere Wirtschaftszweige wieder öffnen. Gartenmärkte, Gärtnereien, Blumenläden sowie Baumärkte, Fahr- und Flugschulen könnten ab kommender Woche wieder den Betrieb aufnehmen, kündigte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung an. «Das ist notwendig, weil wir auch saisonal bedingt diese Angebote benötigen, auch für das persönliche Bedürfnis, sich zu betätigen, wenn das Wetter wieder schöner wird.»

Außerdem sollen Spitzensportler wieder trainieren dürfen, sagte der Regierungschef. Damit wolle die Landesregierung die Chancen wahren «wieder Weltmeisterschafts- und Olympiamedaillen zu erringen», sagte Haseloff. Neben den allgemeinbildenden Schulen sollen deshalb auch Sportschulen wieder öffnen dürfen.

Bayerns Staatskanzleichef: „Wir haben es mit einer zweiten Epidemie zu tun“

13.50 Uhr: In München breiten sich die verschiedenen Mutationen des Coronavirus immer weiter aus. In der siebten Kalenderwoche seien bei 151 von 365 untersuchten Corona-Proben Anzeichen für eine Mutation festgestellt worden, teilte der bayerische Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag mit. Das entspreche einem Anteil von 41,4 Prozent. „Nüchtern gesprochen haben wir es mit einer zweiten Epidemie zu tun“, sagte Herrmann.

Nun beschlossen: In Bayern dürfen ab Montag auch Baumärkte öffnen

13.15 Uhr: In Bayern dürfen die zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossenen Baumärkte vom kommenden Montag an wieder regulär für Kunden öffnen. Das hat das Kabinett bei seiner Sitzung am Dienstag in München beschlossen.

Sorge in einigen Regionen Frankreichs über Explosion der Covid-Zahlen

11.50 Uhr: In einigen Regionen Frankreichs herrscht große Beunruhigung wegen der alarmierenden Corona-Situation. In der nordfranzösischen Küstenstadt Dunkerque (Dünkirchen) ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner der Regionalen Gesundheitsbehörde zufolge zuletzt auf mehr als 900 angestiegen. Regionalpolitiker fordern nun eine schnelle Reaktion. «Wenn strenge Maßnahmen zur Eindämmung notwendig sind, müssen diese zumindest an den Wochenenden ergriffen werden», sagte Jean-René Lecerf, der Präsident des Département-Rats Nord, am Dienstag dem Sender Franceinfo.

Für Teile von Frankreichs Mittelmeerküste ist zuletzt wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus ein Teil-Lockdown verhängt worden. An den kommenden beiden Wochenenden soll für die städtische Küstenregion des Département Alpes-Maritimes ein Lockdown gelten. Angesichts der Varianten sei es dringend notwendig, zu handeln, wo immer es nötig sei, sagte Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi dem Sender BFM TV. Die Küstenmetropole ist besonders schwer getroffen. Im gesamten Département liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, also der sogenannte Inzidenzwert, bei mehr als 580.

Ähnliche Maßnahmen wie am Mittelmeer fordern einige Politiker nun auch für Dunkerque. «Es ist eine Welle im Anmarsch, und wir versuchen, die Ausbreitung zu stoppen (…)», sagte der Pariser Abgeordnete aus dem Département Nord, Paul Christophe, dem Sender Franceinfo. In Nizza habe es jetzt möglicherweise eine so schnelle Reaktion gegeben, weil die Stadt als wichtiges Touristenziel gelte. Die Strände von Dunkerque seien jedoch das Ziel für Menschen aus der gesamten Region Lille, so Christophe. Medienberichten nach soll sich nun auch Premierminister Jean Castex für strengere Maßnahmen ausgesprochen haben.

Insgesamt ist die Corona-Situation in Frankreich weiter angespannt, aber die Lage war recht stabil. Allerdings ist der landesweite Inzidenzwert zuletzt wieder leicht auf mehr als 200 angestiegen. Im gesamten Land gilt seit mehreren Wochen eine strenge Ausgangssperre ab 18 Uhr. Anders als in Deutschland sind Schulen und Einzelhandel weitgehend geöffnet.

Kaum noch freie Intensivbetten in Tschechien – Hilfe aus dem Ausland

11.45 Uhr: Wegen der Corona-Pandemie könnten die Kapazitäten der Intensivstationen in Tschechien schon bald vollständig erschöpft sein. Davor warnte am Dienstag der stellvertretende Gesundheitsminister Vladimir Cerny. In einer solchen Situation sei das Land noch nie gewesen, betonte der Medizinprofessor.

Tschechien habe begonnen, über mögliche Hilfe aus dem Ausland zu verhandeln. Aus Deutschland liege ein Angebot zur Übernahme von neun Intensivpatienten vor. Zudem sollen weiter Patienten innerhalb Tschechiens in weniger stark betroffene Gebiete umverteilt werden.

Bis zu 630 Prozent: Johnsons Öffnungsplan sorgt für Buchungs-Boom bei Reisen

10.56 Uhr: Nach den angekündigten Corona-Lockerungen in England verzeichnen britische Reise- und Urlaubsanbieter ein sprunghaft gestiegenes Interesse. Flugbuchungen aus Großbritannien seien in den Stunden nach der Rede von Premierminister Boris Johnson um 337 Prozent im Vergleich zur Vorwoche und Urlaubsbuchungen sogar um 630 Prozent gestiegen, teilte die Fluggesellschaft Easyjet in Luton mit. Der größte britische Reiseanbieter Tui UK verzeichnete eine Versechsfachung der Buchungen. An der Londoner Börse legten die Aktien der Konzerne am Dienstag kräftig zu.

Johnson hatte am Montag die Pläne der Regierung aus dem Corona-Lockdown vorgestellt. Demnach sollen die Restriktionen schrittweise aufgehoben werden, bis vom 21. Juni an dann gar keine Beschränkungen mehr gelten. Bereits vom 17. Mai an könnte Urlaub im Ausland wieder erlaubt werden. Voraussetzung für jede Lockerung ist, dass die Zahl der Neuinfektionen niedrig bleibt und das Impfprogramm weiter voranschreitet.

Beliebte Reiseziele waren den Konzernen zufolge Malaga, Alicante sowie Mallorca in Spanien, Faro an der Algarve in Portugal sowie die griechische Insel Kreta. Die meisten Buchungen wurden für August gemacht. „Die Ansprache des Premierministers hat vielen Kunden in Großbritannien einen dringend benötigten Vertrauensschub verliehen“, sagte Easyjet-Chef Johan Lundgren der Mitteilung zufolge.

Tui-UK-Chef Andrew Flintham bot der Regierung an, gemeinsam einen „risikobasierten Rahmen“ zu entwickeln, damit Urlauber diesen Sommer ins Ausland reisen können. „Die Menschen können sich auf eine wohlverdiente Pause nach einem für viele sehr schwierigen Jahr freuen“, sagte Flintham der Nachrichtenagentur PA zufolge.

Gesundheitsminister Matt Hancock betonte, die Effektivität von Impfstoffen gegen neue Corona-Varianten werde eine große Rolle bei der Zulassung internationaler Reisen spielen. „Wir müssen uns gegen die neuen Varianten wappnen, das ist eine große Herausforderung“, sagte Hancock am Dienstag dem Sender Sky News. „Falls die Vakzine nicht dagegen wirken, wird es deutlich schwieriger.“

Corona-Zahlen: Bayern mit höchsten und niedrigsten Inzidenzwerten

10.34 Uhr: Die Corona-Werte in Bayern gehen nach wie vor extrem weit auseinander. Die höchsten Sieben-Tage-Inzidenzwerte haben nach den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag immer noch der Landkreis Tirschenreuth (355,3) in der Oberpfalz und der Landkreis Wunsiedel (306,9) in Oberfranken. Sie sind mit deutlichem Abstand auch bundesweite Spitzenreiter.

Den niedrigsten Wert in ganz Deutschland bei der Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage hat dagegen weiterhin die unterfränkische Stadt Schweinfurt (11,2). Ingolstadt in Oberbayern hat bayernweit die zweitniedrigste Sieben-Tage-Inzidenz (13,1).

Mehr als die Hälfte der Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern liegt unter dem wichtigen Corona-Inzidenzwert von 50. Gut zwei Dutzend davon unterschreiten sogar die Marke von 35.

Die Zahl 50 ist für das Management der Pandemie von Bedeutung. Bei einem niedrigeren Wert gehen die Behörden davon aus, die Wege der Ansteckung nachverfolgen zu können. Bundes- und Staatsregierung haben deutlich gemacht, dass größere Lockerungsschritte aber erst erfolgen sollen, wenn eine Sieben-Tage-Inzidenz von 35 erreicht ist.

Schon vor dem Gipfel schmiedet Berlin eigenen Lockerungs-Plan

08.35 Uhr: Eine Woche vor dem nächsten Gipfel zwischen der Bundesregierung und den Vertretern der 16 Bundesländer soll das Land Berlin an einem eigenen Lockerungsplan arbeiten. Das berichtet der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf einen Entwurf, der der Zeitung vorliegt.

Demnach planen der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der rot-rot-grüne Senat der Bundeshauptstadt schrittweise Lockerungen unterhalb einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Dann sollen etwa Einschränkungen beim Sporttreiben im Freien zurückgenommen werden und Friseurläden sollen wieder öffnen dürfen. Letzteres ist allerdings ohnehin für nächsten Montag geplant.

Unterhalb einer Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern sollen dann Musikschulen, Bibliotheken, Museen und Gedenkstätten wieder eingeschränkt und schrittweise öffnen dürfen, außerdem auch der Einzelhandel mit Zugangsbeschränkungen, die sich nach der Quadratmeterzahl richten. Auch gastronomische Einrichtungen sollen mit Auflagen wieder öffnen dürfen, die Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich sollen gelockert werden.

Die nächsten Lockerungsschritte sollen dann aber unabhängig von der Sieben-Tages-Inzidenz erfolgen und sich stattdessen nach dem sogenannten Reproduktionsfaktor richten. Der „R-Wert“ gibt an, wie viele Menschen ein Corona-Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Sollte die Inzidenz für 14 Tage nicht mehr ansteigen und der R-Wert nicht höher liegen als 0,8, sollen Museen wieder öffnen dürfen und Kulturveranstaltungen erlaubt werden. Auch Clubs sollen dann mit Einschränkungen öffnen dürfen.

Die letzten Beschränkungen sollen dann nach weiteren 14 Tagen fallen, sofern der Inzidenzwert stabil bleibt oder sinkt. Lediglich für Clubs und große Kulturveranstaltungen in Innenräumen soll es dann noch Einschränkungen geben. Ob Berlin diesen Lockerungsraum auch in die Tat umsetzen wird, ist aber noch unklar. Dem „Tagesspiegel“ zufolge ist der Entwurf auf den 16. Februar datiert – also Dienstag letzter Woche.

Mobilitätsforscher: 35er-Inzidenz vorerst unrealistisch

08.04 Uhr: Mit der offenbar raschen Ausbreitung einer ansteckenderen Corona-Mutante in Deutschland rückt die Zielmarke von 35 bei der Sieben-Tage-Inzidenz aus Expertensicht in die Ferne. Ohne zusätzliche Maßnahmen erscheine das Erreichen dieses Werts „bis auf weiteres unrealistisch“, erklärte der Leiter des Fachgebiets Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik an der TU Berlin, Kai Nagel, der Deutschen Presse-Agentur. Seine Gruppe modelliert das Infektionsgeschehen in Berlin unter anderem mit anonymisierten Mobilfunkdaten. Nagel zufolge sind die Ergebnisse übertragbar auf die Lage bundesweit.

Die vor Weihnachten zunächst in Großbritannien entdeckte Mutante B.1.1.7 breitet sich nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) von vergangener Woche auch hierzulande aus: Binnen zwei Wochen wuchs der Anteil in Stichproben von knapp 6 auf 22 Prozent. Berücksichtige man die deutlich erhöhte Ansteckungswahrscheinlichkeit, sei die Situation laut Modell „deutlich kritischer als bisher von uns vorhergesagt“, erläuterte Nagel. „Bei reiner Beibehaltung der jetzigen Maßnahmen bekommen wir dann laut Modell eine dritte Welle; jede Art von Öffnungen vergrößert diese Welle.“

Nagel betonte: „Wir können dagegenhalten, indem Kontakte in Innenräumen ohne Schutzmaßnahmen generell vermieden werden.“ Zu solchen zu vermeidenden Kontakten gehörten neben Schulen auch Mehrpersonenbüros und gegenseitige Besuche. Mögliche Schutzmaßnahmen seien Masken, Schnelltests, Impfungen und eine Verlagerung von Veranstaltungen nach draußen.

In die Modelle der TU-Wissenschaftler fließen auch Kennzahlen zum Virus und Aspekte wie die Temperatur und die davon abhängigen Freizeitaktivitäten ein. Zuletzt sei in den Mobilitätsdaten kein verändertes Verhalten der Menschen zu sehen gewesen, schilderte Nagel – mit Ausnahme der Wochenenden, an denen bei besserem Wetter mehr Leute unterwegs seien. Solange diese zusätzlichen Aktivitäten allerdings im Freien stattfänden, „entstehen daraus laut unseren Modellen aber keine relevanten zusätzlichen Infektionen“, so Nagel.

Biden gedenkt 500.000 amerikanischen Corona-Toten – und macht Hoffnung

06.34 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat den Menschen in den USA trotz der dramatischen Zahl der Corona-Toten Hoffnung auf bessere Tage gemacht. „Dieses Land wird wieder lachen, dieses Land wird wieder sonnige Tage haben. Dieses Land wird wieder Freude erfahren“, sagte Biden am Montagabend (Ortszeit) in einer Ansprache im Weißen Haus. „Wir werden uns an jede Person erinnern, die wir verloren haben, an die Leben, die sie hatten, und an die Lieben, die sie zurückgelassen haben“, sagte Biden. „Wir werden das durchstehen, ich verspreche es Ihnen“, sagte er mit Blick auf die Pandemie.

Die USA überschritten am Montag die Schwelle von mehr als einer halben Million Corona-Toten. Nach Bidens Rede gedachten er, First Lady Jill Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Mann Douglas Emhoff der Opfer mit einer Schweigeminute auf der Südseite des Weißen Hauses, wo zahlreiche Kerzen entzündet waren. Sie beugten ihre Köpfe, kurz darauf spielte eine Militärkapelle das Lied „Amazing Grace“.

Bis Montagabend hatten US-Behörden nach Daten der Universität Johns Hopkins 500.172 Todesfälle nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gemeldet. In absoluten Zahlen gibt es in keinem anderen Land der Welt so viele bestätigte Corona-Todesfälle.

RKI meldet 3883 Corona-Neuinfektionen, 415 Tote – R-Wert bleibt etwa gleich

06.19 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 3883 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 415 weitere Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI vom Dienstag hervor. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 3856 Neuinfektionen und 528 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 03.11 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen sind möglich.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Dienstagmorgen bundesweit bei 60,5 – und damit etwas niedriger als am Vortag (61,0). Vor vier Wochen, am 26. Januar, hatte die Inzidenz noch bei 107,6 gelegen. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden.

Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden – er enthielt jedoch 3500 Nachmeldungen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.394.811 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 23.02., 03.11 Uhr). Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.207.700 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 68.318.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Montagabend bei 1,05 (Vortag 1,10). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 105 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Hinweis: Die vom RKI am Morgen gemeldeten Zahlen können abweichen von den Zahlen, die FOCUS Online jeden Abend errechnet. Das liegt an unterschiedlichen Berechnungszeiträumen und teilweise unterschiedlichen Quellen.

Düsseldorf greift nach Mega-Ansturm durch

06.10 Uhr: Nach dem unerwarteten Ausflügler-Ansturm in der Düsseldorfer Altstadt am Samstag und Sonntag plant die Landeshauptstadt für das kommende Wochenende deutliche Einschränkungen. So soll etwa die Maskenpflicht in der Altstadt ausgeweitet werden. Im Geltungsbereich der Maskenpflicht soll es außerdem ein sogenanntes Verweilverbot geben, wie Ordnungsdezernent Christian Zaum am Montag mitteilte. Es soll dort dann nicht mehr erlaubt sein, sich etwa für ein Picknick hinzusetzen oder ein Eis zu essen. Die Besucher müssten sich bewegen, so Zaum. Die Stadt sprach am Montag in einer Mitteilung von einem „ausufernden Treiben“ am vergangenen Wochenende.

Auch andere Städte wollen beliebte Freizeitorte stärker kontrollieren. In Bonn hieß es am Montag, der Ordnungsdienst habe die Rheinufer, den Rheinaue-Park und andere beliebte Ausflugsziele besonders im Blick.

Im benachbarten Siebengebirge waren am Wochenende die Parkplätze vollkommen überfüllt und auch die Zuwege zugeparkt. „Der Ordnungsdienst hat ordentlich Knöllchen verteilt“, berichtete ein Sprecher der Stadt Königswinter. Die Menschen wollten an die frische Luft, das sei verständlich. Die Lage werde aber genau beobachtet.

Lauterbach zu Corona-Pandemie: „Dritte Welle lässt sich nicht mehr aufhalten“

Dienstag, 23. Februar, 06.07 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die dritte Corona-Welle in Deutschland bereits unaufhaltsam im Gange. „Wir sind noch nicht mitten in der dritten Infektionswelle, aber diese hat angefangen und lässt sich auch nicht mehr aufhalten“, sagte Lauterbach der „Passauer Neuen Presse“. Der Anteil der mutierten Varianten an den Neuinfektionen sei mittlerweile so hoch, dass bereits aus dem Lockdown heraus die nächste Welle beginne, erklärte der Virologe.

Lauterbach erwartet, dass sich nun Öffnungen nach hinten verschieben. „Ich glaube, dass wir die Inzidenzzahl von 35, wenn wir jetzt schon so früh in die dritte Welle kommen, an vielen Orten nicht mehr erreichen können. Öffnungsschritte würden sich also nach hinten verschieben“, sagte der SPD-Politiker. Lauterbach warnt: „Immer noch hoffen viele, dass die Mutationen mit ihrer höheren Gefährdung vor allem im Ausland wirken und nicht so sehr bei uns. Auch gibt es Experten, die ich gar nicht kenne, die glauben, dass die Gefährdung aus saisonalen Gründen abnimmt. Das wird alles nicht geschehen. Das Problem wird sich nicht durch das bessere Wetter lösen. Die britische Variante B 1.1.7 wird dadurch nicht zurückgedrängt. Die neuen Varianten des Virus werden sich durchsetzen.“

Die Inzidenzgrenze von 35 verteidigt Lauterbach: „Das gilt allein schon, weil der vorherige maßgebliche Wert von 50 noch ausgerichtet war auf den Ursprungstyp des Virus mit seinen Infektions- und Sterblichkeitsziffern. Der Wert von 35 ist dagegen ausgerichtet auf die Mutation B 1.1.7. mit ihrer größeren Gefährlichkeit.“

Lauterbach ist dennoch dafür, an den Schulöffnungen festzuhalten, fordert allerdings ein flankierendes Testkonzept. „Mein Rat wäre, nachzuarbeiten mit den Tests und nicht zu versuchen, allein mit Masken und Lüften zu operieren. (…) Ausbrüche der Krankheit in Schulen ließen sich mit der Kombination aus Wechsel-Unterricht und Testen zweimal pro Woche laut Studien um mindestens 75 Prozent senken“, sagte er.



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VeröffentlichtFebruar 23, 2021 von admin in Kategorie "Aktuelle Nachrichten", "Covid-19 Aktuell

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