Juli 4 2021

Vor allem nach der Zweitimpfung – Covid-Arm, Übelkeit, Fieber: Auf welche Impf-Reaktionen Sie sich einstellen sollten

Manche spüren nach der Corona-Impfung gar nichts. Andere liegen kurzzeitig komplett flach. Wir erklären, welche Impf-Reaktionen bei welchem Impfstoff am häufigsten auftreten. Und wann Sie mit Ihrem Arzt sprechen sollten.

Hunderttausende Corona-Impfungen gibt es derzeit pro Tag in Deutschland. Nie zuvor wurden so viele Menschen in so kurzer Zeit gegen eine Krankheit geimpft. Da gibt es auch viele Berichte über sogenannte Nebenwirkungen. In Wahrheit handelt es sich aber meistens um normale Impf-Reaktionen.

Das sind Anzeichen dafür, dass unser Immunsystem arbeitet: Es setzt sich mit dem Vakzin, also dem Impfstoff auseinander, aktiviert T-Zellen und bildet Antikörper. T-Zellen und Antikörper bekämpfen das Virus.

Impf-Reaktionen sind also zunächst einmal eine erwünschte und gesunde Antwort des Körpers auf den Impfstoff. Damit ist bei Impfungen immer zu rechnen. Die Reaktionen sind auf einige Stunden bis wenige Tage begrenzt.

Trotzdem sind viele Geimpfte verunsichert, wenn sie grippe-ähnliche Symptome mit Fieber und Schüttelfrost bekommen. Oder wenn der Arm erst ein bis zwei Wochen nach der Impfung stark schmerzt und anschwillt.

Noch dazu gibt es besonders dramatisch klingende Berichte im Internet, die viel beachtet werden. Schlechte Nachrichten verbreiten sich allgemein schneller als gute, wie Studien zeigen.

Wann man besonders mit Impf-Reaktionen rechnen muss

Doch zu den Corona-Impfstoffen und den möglichen Impf-Reaktionen gibt es inzwischen viele gesicherte Informationen. Sie beruhen auf aktuellen Daten aus der EU, den USA und weiteren Ländern. Die wichtigsten sind:

1. Jeder Mensch kann anders auf den Impfstoff reagieren. Das ist so, weil das Immun-System, der allgemeine Gesundheits-Zustand und das Alter die Körper-Reaktion beeinflussen. Insgesamt haben jüngere Menschen meist deutlichere und häufigere Reaktionen als ältere.

Und Frauen reagieren öfter und stärker als Männer. Ursache dafür könnten die weiblichen Geschlechts-Hormone sein, die auch das Immun-System beeinflussen. Das ist übrigens auch bei anderen Impfstoffen so, etwa gegen Grippe.

2. Es kommt auf den Impfstoff an, ob die Erst-Impfung oder die Zweit-Impfung zu deutlichen Reaktionen führt:

  • Bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist die Reaktion meist nach der zweiten Impfung stärker.
  • Beim Vektor-Impfstoff von Astrazeneca ist die Impf-Reaktion eher nach der ersten Impfung heftiger.
  • Der Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson wird bekanntlich nur einmal gespritzt.

Warum sich die Impf-Reaktion nach der ersten und zweiten Impfung unterscheidet

mRNA-Impfstoffe regen bei der ersten Impfung die Immun-Abwehr nur langsam an. Bei der zweiten Impfung reagiert das Immun-System dann stärker.

Vektor-Impfstoffe aktivieren unser Immun-System bereits bei der ersten Spritze deutlich. Die zweite Spritze dient sozusagen zur Vertiefung der Wirkung, die Reaktion ist deshalb milder.

Was gewöhnlich als gefährliche Impf-Nebenwirkungen bezeichnet wird, sind in Wahrheit meist Impf-Komplikationen. Das sind unerwünschte Impf-Folgen, die deutlich belasten und gefährlich sein können.

Ein Beispiel sind allergische Reaktionen. Diese treten üblicherweise recht kurz nach der Impfung auf. Deshalb soll man nach dem Impfen in der Praxis oder im Impf-Zentrum noch 15 bis 30 Minuten bleiben. So kann im Notfall rasch ein Arzt helfen. Allerdings trat diese Impf-Komplikation bislang nur bei durchschnittlich 0,3 von 100.000 Impfungen auf.

Nach der Impfung mit Astrazeneca kam es selten auch zu einer Sinusvenen-Thrombose. Im Vergleich zu den hohen Zahlen der Massenimpfung war ihre Zahl aber extrem gering. Die Komplikation ist zwar schwerwiegend, sie lässt sich jedoch meist gut behandeln.

Diese Impf-Reaktionen sind besonders häufig

Wie nach jeder anderen Impfung auch, können nach der Corona-Impfung zwei Formen von harmlosen Symptomen auftreten:

Lokale Reaktionen: Zum Beispiel Rötung, Schmerzen oder Schwellung an der Einstich-Stelle, auch „Covid-Arm“ genannt. Solche Lokal-Reaktionen sind nach der Covid-Impfung am häufigsten, unabhängig vom Impfstoff.

Systemische Reaktionen: Hier ist der Körper allgemein betroffen. Die Reaktionen sind vor allem Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost, Glieder- und Muskelschmerzen – also Beschwerden wie bei einer Grippe.

Das sind die häufigsten Impf-Reaktionen bei den Impfstoffen

Grundsätzlich können je nach Vakzin die Impf-Reaktionen unterschiedlich ausfallen. Hier die Zahlen für die vier Impfstoffe, die in Deutschland zugelassen sind:

mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna

  • Schmerzen an der Einstich-Stelle (80 bis 90 %, beide)
  • Abgeschlagenheit (60 bis 70 %, beide)
  • Kopf- und Muskel-Schmerzen (Moderna 60 %, Biontech 30 %)
  • Gelenk-Schmerzen und Schüttelfrost (Moderna 40 %)
  • Gelenk-Schmerzen (Biontech 20 %)
  • Übelkeit oder Erbrechen (Moderna 20 %)
  • Fieber und Schwellung, Rötung an der Einstich-Stelle (bei beiden mehr als 10 %)
  • Ausschlag, Juckreiz (0,1 bis 1 %, beide)

Vektor-Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson

  • Druck-Empfindlichkeit an der Einstich-Stelle (Astrazeneca 60 %),
  • Schmerzen an der Einstich-Stelle (40 bis 50 %, beide)
  • Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskel-Schmerzen (30 bis 40 %, beide)
  • Fieber, Husten, Schüttelfrost (30 %, beide)
  • Übelkeit (10 bis 20 %, beide)
  • Schwitzen, Schwindel, genereller Hautausschlag (0,1 bis 1 %, beide)

Die Zahlen wurden gemeldet von der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts.

Wie Sie mit störenden Impf-Reaktionen umgehen

Impf-Reaktionen treten meist einige Stunden bis wenige Tage nach der Impfung auf. Die Symptome halten durchschnittlich 2 bis 3 Tage an und verschwinden von selbst wieder. Meist sind sie eher mild, manchmal heftiger. Dann lassen sie sich häufig mit einfachen Maßnahmen lindern.

Die verschiedenen Impf-Reaktionen und was Sie dagegen selbst tun können:

Kopfschmerzen, grippeähnliche Symptome, Muskel-, Gelenk- und Glieder-Schmerzen sowie Fieber: Diese Beschwerden können Sie mit gängigen Schmerz- und Fiebermitteln gut lindern. Zum Beispiel mit Paracetamol oder Ibuprofen.

Allerdings sollte man die Medikamente nicht vorbeugend einnehmen. Sonst könnten sie die Wirksamkeit der Impfstoffe senken. Nehmen Sie besser erst dann Medikamente, wenn Beschwerden auftreten.

Bei Übelkeit, Erbrechen sollten Sie viel Wasser, wenn möglich lauwarmen Tee trinken. Belasten Sie den Magen nicht mit schwerem Essen. Eine leichte Gemüsebrühe ist jetzt besser.

Müdigkeit und Abgeschlagenheit: Der Körper nutzt seine Kräfte dazu, Abwehr-Stoffe gegen das Virus aufzubauen. Machen Sie es sich auf der Couch bequem und vermeiden Sie körperliche Anstrengung.

Das gilt übrigens für alle Impf-Reaktionen: Solange die Symptome anhalten, sollten Sie sich schonen. Umso schneller sind Sie wieder fit.

Covid-Arm: Er ist eine zeitverzögerte Lokal-Reaktion. Meist tritt er erst rund eine Woche nach der Impfung mit mRNA-Impfstoffen auf.

Am geimpften Arm kann es eine Reihe von Symptomen geben, die gleichzeitig oder einzeln auftreten:
lokale Rötung, Schwellung, Schmerzen und Juckreiz. Dagegen helfen kalte Umschläge. Probieren Sie aus, ob Ihnen ein Quark-Wickel guttut.

Woher die Beschwerden kommen, ist noch nicht ganz geklärt. Studien zufolge bekommen 0,8 % der Patienten diese typischen Reaktionen nach der ersten Impfung. Nach der zweiten Impfung sind es 0,2 %.

Normale Impf-Reaktion oder Komplikation? Wann Sie den Arzt fragen sollten

Die beschriebenen Beschwerden sind unangenehm, aber meist harmlos. Sie zeigen an, dass der Körper auf den Impfstoff reagiert. Das ist ja auch der Sinn einer Impfung.

Werden die Symptome jedoch heftiger, sollten Sie das dem Hausarzt mitteilen. Er entscheidet, was dann zu tun ist.

Wenn Fieber also stark ansteigt, Übelkeit anhält oder Kopfschmerzen heftig sind: Fragen sie Ihren Arzt! Auch Haut-Veränderungen wie Ausschlag sollte sich ein Arzt ansehen. In seltenen Fällen treten Ausschläge auch in anderen Bereichen als am Impfarm auf.

Wichtige Faustregeln:

1. Wenn die Reaktionen
– länger als drei Tage nach der Impfung anhalten oder
– 4 bis 16 Tage nach der Impfung auftreten,
dann sollten Sie den Arzt informieren.
Das bedeutet, dass Sie auch bei Verdacht auf Covid-Arm in der Arztpraxis anrufen sollten – zur Sicherheit.

2. Bestimmte Anzeichen können auf eine Thrombose im Hirn hindeuten. Eine Thrombose ist ein Blutpfropf, der den Blutfluss behindert oder stoppt. Diese Komplikation ist extrem selten nach Astrazeneca-Impfungen aufgetreten.
Diese Anzeichen halten mehr als drei Tage nach der Impfung an oder sie treten neu auf, wie die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) berichtet.

Zu diesen Anzeichen zählen unter anderem
– Schwindel
– Kopfschmerzen
– Sehstörungen
– Übelkeit und Erbrechen
– Luftnot
– akute Schmerzen in Brustkorb, Bauchraum oder Armen/Beinen.

3. Wen Sie nicht sicher sind oder wenn die Beschwerden Sie besonders belasten, können Sie sich natürlich ebenfalls in der Arztpraxis melden.

Unerwünschte Reaktionen und Komplikationen sollten übrigens an das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden. Das ist das Bundes-Institut für Impfstoffe und medizinische Arzneimittel.

Hier werden die Verdachtsmeldungen und bestätigten Fälle gesammelt, die im Zusammenhang mit Impfungen auftreten. Das macht es möglich, die Verträglichkeit der Impfstoffe zu kontrollieren.

Zusätzlich bietet das Institut die App SafeVac an. Geimpfte können damit digital Auskunft darüber geben, wie sie die Impfung vertragen haben. Teilnehmer an dieser Beobachtungs-Studie tragen so aktiv dazu bei, weitere Erkenntnisse über Covid-19-Impfstoffe zu gewinnen.



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VeröffentlichtJuli 4, 2021 von admin in Kategorie "Impfstoff & Impfungen

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