Corona: Fragen und Antworten zur Impfung in MV

Corona: Fragen und Antworten zur Impfung in MV

April 1, 2021 Aus Von admin

14:41:09

Nachdem die Impfkampagne in den Alten- und Pflegeheimen weitgehend abgeschlossen ist, werden in Mecklenburg-Vorpommern seit Mitte März auch Menschen der Prioritätsgruppe 2 geimpft.

Dazu gehören chronisch Kranke, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Polizisten. Wie die Impftermine koordiniert werden, wie sich die verschiedenen Impfstoffe unterscheiden und ab wann die Hausärzte impfen dürfen – diese Informationen finden Sie hier.

Welche Impfstoffe werden in Mecklenburg-Vorpommern verabreicht?

Drei Impfstoffe werden in Mecklenburg-Vorpommern momentan eingesetzt: Der des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer und der Impfstoff der US-Firma Moderna. Auch das Vakzin des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca wird wieder verimpft, nachdem die Immunisierungen damit zwischenzeitlich ausgesetzt worden war. Mit dem Impfstoff der US-amerikanischen Firma Johnson & Johnson ist inzwischen auch ein viertes Mittel in der EU zugelassen worden. Der Hersteller will nach eigenen Angaben spätestens im Mai mit den Lieferungen beginnen. Den russischen Impfstoff Sputnik V prüft die Europäische Arzneimittelagentur gerade, ob es ein offizielles Zulassungsverfahren geben wird, hängt von den Ergebnissen ab.

Warum wurden Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff zwischenzeitlich ausgesetzt? Warum wird AstraZeneca nur für Personen eingesetzt, die älter sind als 60 Jahre?

Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca wird nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern vom 30. März nur noch für Personen ab 60 Jahren eingesetzt. Sie folgen damit einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (StiKo), die vor dem Hintergrund schwerer Nebenwirkungen bei jüngeren Geimpften geändert worden war. Unter 60-Jährige sollen sich aber „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ weiterhin damit impfen lassen können.

Muss ich mich mit AstraZeneca impfen lassen?

Grundsätzlich sei niemand gezwungen, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen, so Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). Wer eine Impfung mit diesem Vakzin ablehnt, solle trotzdem ein Angebot mit alternativen Impfstoffen bekommen. So bekomme Mecklenburg-Vorpommern von April bis Juni insgesamt 1,5 Millionen Impfdosen, rund die Hälfte davon seien Vakzine von Biontech/Pfizer.

Ich habe die erste Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff erhalten, was jetzt?

Für Personen, die bereits die erste Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin bekommen haben, soll es bis Ende April eine Empfehlung geben, ob womöglich anderer Impfstoff verabreicht wird, der die gleiche Wirkung erzeugt. Wer in den ersten vier bis 16 Tagen starke Kopf- oder Gliederschmerzen verspürt, sollte einen Arzt aufsuchen, so Gesundheitsminister Glawe.

Wie viel Impfstoff steht aktuell zur Verfügung?

Im März stehen in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt rund 175.000 Impfdosen der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca zur Verfügung, wie Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) erklärte. Laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sollen die Intervalle bis zur zweiten Impfung auf den maximal möglichen Zeitraum ausgedehnt werden. Dadurch soll etwa ein Viertel mehr Impfstoff für Erstimpfungen zur Verfügung stehen. Mecklenburg-Vorpommern soll von April bis Juni insgesamt 1,5 Millionen Impfdosen bekommen, rund die Hälfte davon sind Vakzine von Biontech/Pfizer.

Welcher Impfstoff wird für wen empfohlen?

Laut Landesregierung werden vorwiegend die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna für die über 80-Jährigen eingesetzt. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts schützen alle zugelassenen Impfstoffe zuverlässig vor schweren Covid-19-Verläufen – und damit auch vor einem Tod an Covid-19. An der Wirksamkeit gegen die britischen, südafrikanischen, brasilianischen und kalifornischen Mutationen wird aktuell noch geforscht. Welches Vakzin verabreicht wird, können sich die Geimpften nicht aussuchen. Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird der Impfstoff von AstraZeneca nur noch bei Personen eingesetzt, die älter sind als 60 Jahre. Laut Wirtschaftsminister Glawe ist niemand verpflichtet, sich mit diesem Vakzin impfen zu lassen. Wer es ablehnt, solle ein Alternativangebot bekommen.

Wie genau wirken die verschiedenen Impfstoffe?

Die Impfstoffe Biontech/Pfizer und Moderna sind nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts sogenannte mRNA-Impfstoffe (von Messenger-RNA). Die mRNA ist ein Bestandteil des Erbguts und bietet sozusagen eine Bauanleitung für einen Bestandteil des Coronavirus. Dadurch, dass dem menschlichen Körper diese Bauanleitung gespritzt wird, lernt er, die Coronaviren zu erkennen und entwickelt Antikörper, die den Organismus vor dem Virus schützen. AstraZeneca dagegen ist – genau wie der von Johnson & Johnson – ein sogenannter Vektorimpfstoff. Er basiert auf abgeschwächten Erkältungsviren von Schimpansen, die für den menschlichen Körper harmlos sind. Diese abgeschwächten Viren enthalten zusätzlich genetisches Material der Erreger Sars-CoV-2. Auch dadurch bekommen die menschlichen Abwehrzellen quasi eine Bauanleitung, durch die sie Antikörper bilden können.

Wie werden die Impftermine vergeben?

Ab dem 31. März 2021 können Impftermine online www.corona-impftermin-mv.de vereinbart werden. Dort können sich zunächst nur Impfberechtigte der Prioriät 1 registrieren. Das sind insbesondere Personen über 80 Jahre und Personen, die regelmäßig alte und pflegebedürftige Menschen betreuen. Eine schriftliche Mitteilung ist hierfür nicht mehr notwendig, alle Personen über 80 Jahre sind aufgerufen, sich zeitnah einen Termin zu vereinbaren. Ab dem 2. April 2021 sind zusätzlich zur Priorität 1 auch Registrierungen in der Priorität 2 möglich. Hierzu zählen insbesondere alle über 70-Jährigen, chronisch Kranke und Lehrkräfte, Erzieherinnen und Polizisten.

Wo sind die Impfzentren in Mecklenburg-Vorpommern?

Landesweit gibt es insgesamt 16 Impfzentren:

  • Stadthalle Ludwigslust
  • Stadthalle Parchim
  • Flughafen Neubrandenburg-Trollenhagen
  • Sporthalle der Beruflichen Schule in Waren
  • DRK in Grevesmühlen
  • SANA-Klinikum in Wismar
  • Flughafen Rostock-Laage
  • Technologiezentrum Vorpommern in Greifswald
  • ehemaliger Nettomarkt in Pasewalk
  • Stralsund an der Rostocker Chaussee
  • Medien- und Informationszentrum in Bergen auf Rügen
  • Kulturzentrum der Kleintierzüchter in Grimmen
  • Begegnungszentrum in Ribnitz-Damgarten
  • Turnhalle der Grundschule in Bad Sülze
  • Gelände der Hansemesse in Rostock
  • Sport- und Kongresshalle in Schwerin

Zusätzlich sind rund 40 mobile Teams im Land unterwegs. Sie waren bisher vor allem in Alten- und Pflegeheimen tätig.

Wann wird auch in den Hausarztpraxen geimpft?

Spätestens Mitte April soll bundesweit Impfstart in den Hausarztpraxen sein. Zur Vorbereitung erhalten die Praxen in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 15.000 Dosen des Herstellers AstraZeneca, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Damit soll zunächst das medizinische Personal in den Praxen geimpft werden, damit dort der notwendige Infektionsschutz besteht. Vorbild für das Impfen in Hausarztpraxen ist ein im Landkreis Nordwestmecklenburg laufendes Pilotprojekt, das nun – je nachdem, wieviel Impfstoff vorhanden ist – ausgedehnt werden soll.

Wer ist in welcher Prioritätsgruppe?

Die Bevölkerung wurde nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission in vier Gruppen eingeteilt. In der ersten Gruppe sind Menschen, die älter sind als 80 Jahre, sowie Pflegekräfte und Ärzte. Danach folgen über 70-Jährige, chronisch Kranke, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Polizisten. In Gruppe drei sind Menschen über 60, Mitarbeitende im Einzelhandel, Feuerwehrleute und weitere chronisch Kranke. Alle übrigen bilden die Gruppe vier. Ziel ist es laut Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU), insgesamt 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung im Nordosten impfen zu lassen.

Wie oft muss geimpft werden?

Für einen wirksamen Schutz der Mittel Biontech/Pfizer und Moderna sind jeweils zwei Impfungen notwendig. Anfang März wurde festgelegt, dass die Zweitimpfung zeitlich so spät wie möglich erfolgen soll. So wollen die Bundesregierung und die Länder erreichen, dass mehr Menschen schneller eine Erstimpfung und damit einen gewissen Grundschutz bekommen. Unklar ist bislang, ob es eine Auffrischung einige Jahre später geben muss – ähnlich wie bei der Tetanusimpfung.

Wie groß ist der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt für die mRNA-Impfstoffe Biontech/Pfizer und Moderna einen Abstand von drei bis sechs Wochen zwischen Erst- und Zweitimpfung. Für Vektorimpfstoffe wie AstraZeneca wird eine Zeitspanne von drei Monaten empfohlen. Um möglichst vielen Menschen zunächst eine Erstimpfung zu ermöglichen, will die Landesregierung den Zeitraum zwischen den beiden Terminen möglichst in voller Länge ausnutzen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Nebenwirkungen der Corona-Schutzimpfung sind vergleichbar mit denen bei anderen Impfungen. Hautrötungen, Kopfschmerzen, eventuell auch Schwindel und Blutdruckabfall können auftreten, auch von klassischen Grippesymptomen ist die Rede, sie dauern aber meist nicht länger als zwei Tage an.

Wer bezahlt die Impfungen?

Der Bund trägt die Kosten für die Impfstoffe. Das Land, die Kommunen und die Krankenkassen kommen für die Kosten für das Impfzubehör, das Personal sowie die Errichtung und den Betrieb der Impfzentren auf. Die Impfung ist damit für die Bürger kostenlos – unabhängig vom Versichertenstatus.

Wie wird der Impfstoff gelagert?

Einige Impfstoffe müssen bei Temperaturen von unter minus 60 Grad Celsius gelagert werden, andere wiederum bei Kühlschranktemperatur. Die Länder sind für die sachgerechte und sichere Lagerung und Verteilung von Impfstoffen vor Ort zuständig.

Wie lief die Entwicklung der Impfstoffe ab?

Jeder neue Impfstoff muss vor der Zulassung drei Phasen durchlaufen. Zuerst wird getestet, wie sich der Impfstoff im Körper verhält, dann wie verträglich er ist und zum Schluss muss die Wirksamkeit nachgewiesen werden. In Deutschland ist der Impfstoff in kürzester Zeit an rund 40.000 Menschen getestet worden. Verkürzt wurde beispielsweise die zweijährige Beobachtung des Impfstoffes und damit verbunden seine möglichen Nebenwirkungen.

Warum dauerte die Impfstofferprobung nur einige Monate und nicht mehrere Jahre wie bei anderen Impfstoffen?

Das liegt nach Angaben des Rostocker Tropenmediziners Prof. Emil Reisinger daran, dass die drei Testphasen beim Corona-Impfstoff teilweise parallel durchgeführt werden konnten. Üblicherweise werden nach Abschluss jeder der drei Phasen die Ergebnisse zunächst ausgewertet, ehe die nächste Phase beginnt. Das dauert in der Regel jeweils mehrere Monate. Dabei ist die Zahl der Probanden in der ersten Phase noch sehr gering und wird dann in jeder folgenden Phase erhöht. Bei der Erprobung des Corona-Impfstoffes gab es dagegen schon in der ersten Phase deutlich mehr Probanden. Die anschließenden Test-Phasen – ebenfalls mit deutlich mehr Probanden als sonst – begannen zudem schon nach einigen Wochen und nicht erst nach Monaten. Dadurch konnten innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit umfassende Daten erhoben werden.

Besteht eine generelle Impfpflicht?

Nein.

Kann mich mein Arbeitgeber zur Corona-Impfung zwingen?

Nein, denn das wäre ein Eingriff in den persönlichen Bereich. Der Arbeitgeber darf Mitarbeiter nicht entlassen, wenn sie sich nicht impfen lassen wollen. Hat der Arbeitgeber aber eine Fürsorgepflicht anderen gegenüber – beispielsweise im Gesundheitswesen gegenüber Patienten – dann darf der Arbeitgeber Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen möchten, auf eine andere Stelle versetzen.